Schockbilder, um Jugendliche davon abzuhalten zur Zigarette zu greifen.

Weniger Jugendliche beginnen zu rauchen:
Australien wird Vorbild

23.06.2015
Quellen:
AIHW
NCBI
Dank Schock-Fotos greifen weniger (junge) Menschen
zur Zigarette. Erste Studien aus Australien belegen dies.
Auch die EU plant jetzt erste Maßnahmen ...


Kurzfassung

  • In EU ab 2016 größere Warnhinweise auf Zigarettenpackungen
  • In Australien gibt es einheitliche Packungen mit Schockfotos
  • Irland will als 1. EU-Land auch einheitliche Packungen einführen
  • Seit den Schockbildern rauchen weniger Australier
  • In vielen asiatischen Ländern wird auf Schockfotos gesetzt
  • Einstellung zum eigenen Konsum bedingt Wirksamkeit

In Deutschland sterben jedes Jahr 110.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens.Schätzungsweise 3.300 werden durch Folgen des Passivrauchens getötet. Rauchen kostet durch – direkte und indirekteKrankheitskostendirekte Krankheitskosten sind solche, die durch Behandlung und Pflege entstehen; indirekte volkswirtschaftliche durch Arbeitsausfälle oder Arbeitsunfähigkeit. jährlich etwa 21 Milliarden Euro.

Schon lange wird deshalb versucht, die Zahl der Raucher zu senken. Unter anderem mit Warnhinweisen oder Bildern von Raucherlungen, abgefaulten Zehen und anderen Schockbildern auf den Verpackungen.

EU-Entschluss für Schockbilder, größere Warnhinweise
und gegen Aromastoffe

Werden bald auch in Deutschland Warnhinweise so abgebildet werden?

Das EU-Parlament hat bereits 2014 strengere Vorschriften für Zigaretten und deren Verpackung erlassen. Ab 2016 gilt:

  • Schockfotos und Warnhinweise müssen 65 % der Vorder- und Rückseite bedecken, fast doppelt so viel wie bisher.
  • Verharmlosende Werbung wie „mild“ oder „light“ ist verboten.
  • Aromastoffe wie Erdbeer- oder Schokogeschmack werden verboten.
  • Menthol-Zigaretten werden ab 2020 ganz verboten.

Einheitspackungen und Schockbilder
in Australien = weniger Raucher

So sehen die australischen Zigaretten-Verpackungen aus.

Seit 2012 dürfen Zigarettenverpackungen in Australien nur noch in einer Einheitspackung verkauft werden: Auf der olivgrünen Verpackung sind eine Warnung und ein großes Bild abgedruckt, die über die Folgen des Rauchens aufklären sollen. Die Marke wird nur in einer neutralen Einheitsschrift genannt.

In einer alle 3 Jahre stattfindenden Umfrage werden der Konsum und die Einstellung zu Alkohol, Tabak und illegalen Drogen in Australien erhoben. Die letzte Untersuchung fand 2013 statt und zeigte, dass weniger Australier rauchen.

  • 2010 gaben 15 % der Befragten an, täglich zu rauchen. 2013 waren es noch 13 %.
  • 2010 hatten 72 % der 18-24-Jährigen noch nie geraucht, 2013 stieg die Zahl auf 77 %.
  • Die durchschnittliche Zahl der pro Woche gerauchten Zigaretten sank von 111 im Jahr 2010 auf 96 Stück in 2013.
  • 1995 rauchten die 14-24-Jährigen ihre erste Zigarette im Schnitt mit 14 Jahren, 2013 erst mit knapp 16.
  • Rauchen wurde als weniger befriedigend angesehen. 81 % der Befragten gaben an, öfter über das Aufhören nachzudenken.

Kritik an …

Konzerne klagen, dass die Werbung ohne das Design der Packung nicht mehr funktioniere.

Die EU will keine Einheitspackungen per Gesetz einführen. Grundsätzlich hat sie sie aber nicht verboten: die einzelnen Mitgliedsländer müssen diese nur ankündigen. Dann kann jedes Mitgliedsland Einspruch einlegen und das Gesetz verzögern bzw. sogar stoppen.

Die Tabakkonzerne kritisieren unter anderem, dass sie in ihrem Recht auf Markenfreiheit eingeschränkt werden. Die Werbung mithilfe der Zigarettenpackung funktioniert nicht mehr, wenn alle Packungen gleich aussehen müssen. Auch die Gefahr von Fälschungen sei durch die einheitlichen Verpackungen deutlich größer.

In Irland ist das sogenannte „plain packaging“deutsch etwa: einfache Verpackung dennoch schon beschlossene Sache. Auch England hat eine Einheitspackung angekündigt und bereits im Parlament beschlossen. Auch in Frankreich soll es sie bald geben.

In Skandinavien wollen Norwegen und Schweden untersuchen, ob auch sie Einheitspackungen einführen.

… und Klagen gegen Einheitsverpackungen

Nach der Einführung der einheitlichen Packungen hatten in Australien mehrere Tabakkonzerneunter anderem Philip Morris und British American Tobacco gegen diese geklagt und verloren.

Vor der Welthandelsorganisation (WTO) laufen aber noch 4 Klagen. Kuba, die Dominikanische Republik, Honduras und Indonesien haben wegen der Packungen gegen Australien geklagt. Die Ukraine hat ihre Klage inzwischen zurückgezogen. Sie will lieber einen Kompromiss mit Australien schliessen. Die WTO hat erklärt, dass sie im ersten Halbjahr von 2016 über die Klagen entscheiden wird.

Und auch in Europa wird bereits geklagt: In England hat der Tabakkonzern Philip Morris Klage gegen das Ja des Parlaments zur Einheitspackung eingereicht.

Positive Aussagen auf Schachteln helfen
je nach Zuversicht für Aufhören mehr als negative

Positive und negative Aussagen wirken auf verschiedene Menschen.

Mehr Raucher könnten zum Aufhören bewegt werden, wenn auf den Packungen sowohl negative als auch positive Aussagen stehen würden. Das hat eine Studie aus Amerika festgestellt.

Wenn die Raucher daran glaubten, dass sie schlecht mit dem Rauchen aufhören könnten, wären positive Aussagen effektiver. Sätze wie „Mit dem Rauchen aufzuhören, reduziert das Risiko eines Todes durch Tabak“ wurden dabei als hilfreich angesehen.

Waren sie hingegen davon überzeugt, leicht mit dem Rauchen aufhören zu können, waren negative Warnungen auf den Packungen effektiver. Diese sind bislang auf allen Packungen mit Warnhinweisen, z.B. „Rauchen tötet“.

Abschreckende Bilder auf Zigarettenpackungen
in anderen Ländern dieser Welt

In MalaysiaIn weiteren 18 Ländern in Asien gibt es (oder es wird gerade geändert) ebenfalls gesundheitliche Warnungen in Form von Bildern auf den Zigarettenschachteln, unter anderem in Indonesien, Indien und im Iran. gibt es bereits seit Anfang 2009 eine strenge Warnhinweis-Pflicht auf Zigarettenpackungen. 50 % der Verpackung müssen seitdem mit abschreckenden Bildern und Warntexten versehen sein.

BrasilienMit Ausnahme von einigen wenigen haben alle südamerikanischen Länder bildliche Gesundheitswarnungen auf ihren Zigaretten-Produkten. startete bereits 2002 damit 100 % der Vorder- oder Rückseite einer Zigarettenpackung mit Gesundheitswarnungen und Bildern zu bedrucken. Zwischen 2002 und 2008 wurden 29 verschiedene Bilder entwickelt, um Käufern vom Rauchen abzuraten.

Insgesamt 60 % der Oberfläche einer Zigarettenpackung in Neuseeland zeigen gesundheitliche Risiken auf. Im Juli 2012 hat die Regierung außerdem beschlossen ebenfalls eine einheitliche Zigarettenverpackung einzuführen, sobald sich der Prozess der WTO mit Australien geklärt hat.

Aktiv werden …

  • Die genauen Ergebnisse der australischen Studie zum Drogenkonsum und den Einstellungen dazu, kannst Du hier sehen.
  • Welche Regelungen es wo auf der Welt für Zigarettenpackungen gibt, zeigt diese Seite.
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