Sport ist nicht nur gesund, macht er auch intelligenter?

Legal „high“ werden:
Was bei einem 10 km-Lauf in Deinem Gehirn passiert

09.04.2015
Quelle:
Cerebral Cortex
Studien beweisen: Nach dem Training hast Du mehr „Glückshormone“ in Deinem Gehirn. Auch sportlichen Mäusen wachsen mehr neue Nervenzellen. Wie genau entsteht aber das „Runner´s High“?

Zahlreiche Studien haben gezeigt: Laufen – und Ausdauersport – wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Eine bessere körperliche Fitness Kurz-Übersicht über gesundheitsfördernde Auswirkungen von Bewegung stärkt das Herz, erhöht den Stoffwechsel, kräftigt die Muskeln und sorgt für gesunde Gefäße und stabile Knochen.

Die Erforschung psychologischer Aspekte von Ausdauersport hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Vor allem das sagenumwobene „Runner´s High“ warf Wissenschaftlern und Sportlern jahrzehntelang ein Rätsel auf – bis Neurowissenschaftler aus Bonn und München bahnbrechende Ergebnisse veröffentlichten.

„Ich bin unverwundbar,
nichts kann mich stoppen“

Seit Jahrzehnten berichten Sportler – vor allem LäuferAuch wenn der Name suggeriert, dass dieser Zustand nur von Läufern erreicht werden kann, ist das nicht der Fall – andere Sportler, z.B. Boxer, Radfahrer, Skifahrer, Rugby-Spieler und sogar Kraftsportler berichten ebenfalls von der Erfahrung. sogenannten „Runner`s High“ Anleitung (englisch) um ein „Runner´s High“ durch eine bestimmte Lauftechnik zu bekommen – ohne Garantie (deutsch: „Läuferhoch“), einem euphorischem Zustand, der sich während oder nach einer anstrengenden Trainingseinheit einstellen kann.

Ein paar Eindrücke:

„Einfach nur Laufen, nicht schnell, aber mühelos, eins mit der Welt. Einer der raren Momente von Spiritualität, die nicht peinlich sind.“

Achim Achilles, Läufer, Kolumnist („Achilles` Ferse“ bei Spiegel-Online) und Buchautor

„Es ist wirklich wie eine Ermächtigung. Und Zen gleichzeitig. Du fühlst Dich stark und leicht, und du fühlst dich entspannt.“

Christina Morganti, amerikanische Läuferin und Ärztin

Ausdauersport

„Runner`s High“ im Ausdauersport & Laufen.

„[…] und der Weg bewegt sich wie ein Filmstreifen neben meinen Füßen. Jetzt fliege ich, dieses goldene Gefühl, als ob ich tatsächlich in die Luft laufen könnte, und ich bin unverwundbar, nichts kann mich stoppen, nichts kann mich stoppen, nichts, nichts, nichts.“

Ausschnitt aus „Die Frau des Zeitreisenden“ von der amerikanischen Schriftstellerin Audrey Niffenegger

Obwohl die Anstrengung 5 min zuvor kaum noch auszuhalten war, wirkt plötzlich jeder Schritt leicht und sogar das Schmerzempfinden verringert sich. Warum?

Wissenschaftler vermuten, dass diese Euphorie im Zustand nahender Erschöpfung evolutionsbedingte Wurzeln hat: In der Zeit der Jäger und Sammler würde so die Chance, während einer anstrengenden Verfolgungsjagd erfolgreich zu sein, erhöht.

Legales „High“ durch Bewegung:
Endorphine wirken wie Heroin

Wie entsteht dieses Gefühl? Lange Zeit tappten Wissenschaftler im Dunkeln. Endorphine1975 wurden Endorphine entdeckt. Der Name ist eine Kreuzung aus den Wörtern „endogen“ und „Morhin“, was bedeutet: ein vom Körper (endogen) selbst produziertes Opioid. – körpereigene Botenstoffe, die für Gefühle der Euphorie verantwortlich gemacht werden – galten als Hauptverdächtige.

Zu den bekanntesten nicht körpereigenen Botenstoffen mit den gleichen MerkmalenSogenannte Opioide gehören das bekannte Schmerzmittel Morphin (auch unter den Namen Morphium bekannt) und die Droge Heroin (auch als Diamorphin bezeichnet). Das Problem mit der Erklärung, dass die Endorphine für den Bewegungs-Rausch verantwortlich seien: Die oft als „Glückshormon“ bezeichneten Botenstoffe werden während und nach sportlicher Anstrengung zwar in erhöhter Konzentration im Blut gemessen, sind aber zu groß um die Blut-Hirn-SchrankeDie Blut-Hirn-Schranke ist eine Art Grenzkontrolle, die dafür sorgt, dass schädliche Stoffe nicht einfach ins Gehirn gelangen. des Gehirns zu passieren – eine erhöhte Konzentration im Blut spricht also nicht automatisch für eine erhöhte Konzentration im Gehirn und die damit verbundenen euphorischen Gefühle.

Erst 2008 Vollständige Studie zu Endorphinen und dem
Runner´s High (2008, englisch)
gelang es Wissenschaftlern der Universität Bonn und der Technischen Universität München einen Beweis für die Endorphin-Theorie zu liefern: Sie nutzten das bildgebende Verfahren PET (Positronen-Emissions-Tomographie)Bei der Positronen-Emissions-Tomographie wird ein radioaktiver markierter Stoff genutzt um Stoffwechselvorgänge im Körper – in diesem Fall im Gehirn – sichtbar zu machen. Es werden also nicht die Organe und Knochen abgebildet (wie z.B. beim MRT oder Röntgen), sondern Stoffwechselvorgänge im Gewebe. um zu zeigen, dass nach einem 2-stündigen Lauf bei den 10 Test-PersonenAlle Versuchs-Teilnehmer waren männlich. mehr Endorphine im Gehirn vorhanden waren als vor dem Training.

Vor allem in Gehirn-Regionen, die für die Verarbeitung von EmotionenD.h. im Bereich des Frontallappens der Großhirnrinde und dem limbischen System. entscheidend sind fanden sich mehr „Glückshormone“.

Mehr „Glückshormone“ im Gehirn nach dem Training.

Die Versuchs-Teilnehmer gaben außerdem an, nach dem Lauf euphorischer und glücklicher zu sein – je stärker das Gefühl, umso mehr Endorphine dockten im Gehirn an.

Ein weiterer „Neben-Effekt“: Während und nach der körperlichen Anstrengung verringert sich die Schmerz-Wahrnehmung – das ist bereits seit längerer Zeit bekannt.

Welcher Mechanismus im Gehirn dafür sorgt, dass Läufer häufig über den Schmerz hinweglaufen, zeigten die Wissenschaftler in einer Folgestudie: Studie zur Schmerz-Wahrnehmung von Läufern (englisch, 2012) Sie fanden einen Unterschied in der Aktivität von Hirn-Regionen, die für die Verarbeitung von Schmerz eine wichtige Rolle spielt: Verglichen wurden Wanderer mit Läufern.

Mit anderen Worten: Bei Läufern waren schmerzverarbeitende Regionen im Gehirn gedämpft.

Dünger für Deine Nervenzellen:
Das Gehirn „wachsen lassen“

Neben Endorphinen werden nachÜbersichts-Studie zum Zusammenhang zwischen einem gesunden Gehirn und Sport (englisch, 2002) dem Sport auch erhöhte Konzentrationen des Wachstumsfaktors BDNF (Brain-derived neurotrophic factor, deutsch: Vom Gehirn stammender neurotropher Faktor) beobachtet.Neben Endorphinen und BDNF spielen auch andere Stoffe eine Rolle. Diesen beiden wird von Wissenschaftlern aktuell jedoch die größte Bedeutung zugesprochen.

BDNF ist ein Protein, das Nervenzellen dabei hilft zu überleben und zu wachsen. Tatsächlich wachsen bei Mäusen, Studie mit Mäusen und Lauf-Training (englisch, 1999) die über mehrere Wochen regelmäßig ein Laufrad nutzten, mehr neue Nervenzellen im Hippocampus – der wichtigsten Gehirnstruktur um neue Erinnerungen abzuspeichern – als bei Mäusen, die nicht laufen.Der Effekt ist spezifisch für die „laufenden“ Mäuse: Training in einem Labyrinth und Schwimmen führen nicht zur Bildung von neuen Nervenzellen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Mäuse nicht gerne schwimmen und die dadurch ausgelösten Stress-Reaktionen evtl. die positiven Auswirkungen übertönen.

Sportlichen Mäusen wuchsen mehr neue Nervenzellen.

Sorgt Sport so etwa auch dafür, dass Du Dich besser konzentrieren kannst, eine bessere räumliche Vorstellung hast und besser planen kannst?

In der Tat wurde eine Verbesserung dieser und anderer kognitiver Fähigkeiten in zahlreichen Studien Hintergrund-Artikel in der New York Times (englisch)belegt. Dabei handelt es sich sowohl um Kurzzeit-Effekte im Anschluss an sportliche Aktivitäten, als auch um Langzeit-Effekte, die über Monate und Jahre anhalten.

Um auch im Alter mental „fit“ zu bleiben, eignet sich regelmäßige sportliche Aktivität also sehr gut. Dieser Effekt könnte mit der erhöhten Ausschüttung des Wachstumsfaktors BDNF in Verbindung stehen – er könnte dafür sorgen, dass nicht nur das Gedächtnis, sondern auch generell das Ausführen von alltäglichen Aufgaben, z.B. Autofahren, länger und besser funktioniert.

Ausdauersport

Um auch im Alter mental „fit“ zu bleiben ist Sport wichtig.

Fitter = zufriedener?
Sport als Medikament gegen Depression

Kann Sport auch als Anti-Depressiva wirken? Zahlreiche Studien Übersichts-Studie zur Wirkung von Sport gegen Depression (englisch, 2013)bestätigen, dass regelmäßiger Sport bei Depressionen genauso gut wirken kann wie verschreibungspflichtige Anti-Depressiva und Verhaltens-Therapien.

Das Problem bei der Erforschung der Wirkung von Sport: Es fehlen häufig die Investoren für notwendige Studien – im Vergleich zu Medikamenten, die von Pharma-Unternehmen entwickelt werden. Außerdem ist die „Verschreibung“ von Sport schwierig: Viele Faktoren, wie Motivation und soziale Umgebung spielen eine Rolle.

Fest steht: Die Wirkung von regelmäßiger Bewegung funktioniert auch vorbeugend. Studie zur vorbeugenden Wirkung von Sport (englisch, 2002)  Wer sich bewegt Zur „Bewegung“ zählten bei entsprechender Studie auch längere Spaziergänge. hat eine geringere Chance an Depressionen oder Angststörungen zu erkranken.

Ausdauersport

Sport als Therapie.

Diese vorbeugende Wirkung hält sogar über eine Studie zur Langzeitwirkung von Sport gegen Depression (englisch, 2001) längere Zeit an – mindestens 21 Monate, bestätigte eine Studie 2001.

Aktiv werden …

  • Du läufst bereits und fragst Dich, wie Du ein „Runner`s High“ erleben kannst? Dann kannst Du Dich an der Anleitung zum „Runner´s High“ (englisch) versuchen – ohne Garantie!
  • Du bist auf der Suche nach geeigneten Trainings-Plänen? Die Pläne – egal ob Einsteiger oder Marathon-Läufer – von wikifit anschauen
  • Du möchtest regelmäßig Sport treiben? 10 Tipps gegen den „inneren Schweinehund“ verinnerlichen
  • Um regelmäßig Sport zu machen hilft vielen Menschen sozialer Kontakt: Egal, ob der Freund, mit dem Du im Fitness-Studio verabredet bist, der Tanzpartner, der wartet, oder die sonntägliche Rad-Tour – such Dir Verbündete!
Legal „high“ werden:
Was bei einem 10 km-Lauf in Deinem Gehirn passiert
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