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Natürliche Lebensmittel sind gesund, z.B. direkt vom Markt.
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Welche Ernährung ist die Gesündeste? „Echtes Essen. Nicht zu viel. Pflanzen.“

Vegetarisch, vegan oder mediterran? Das wichtigste Ergebnis einer großen Studie: Vermeide industriell verarbeitete Lebensmittel. In Brasilien steht dies in den offiziellen Ernährungs-Empfehlungen.
28.11.2014
Quellen:
Annual Reviews
Brazilian Food Guideline

Die Frage nach einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist angesichts der Zunahme von Menschen mit Übergewicht, Diabetes und anderen ernährungsbedingten Krankheiten viel diskutiert.

In den letzten Jahren sind verschiedene, spezielle Ernährungs-Formen populärer geworden – vegetarisch oder vegan, fett- oder kohlenhydratarm, mediterran oder Paleo-Diät. Ist die eine Ernährung wirklich gesünder, als die andere?

Wichtigste Regel unabhängig vom Ernährungs-Trend: Vermeide industriell verarbeitete Lebensmittel

„Esst (echtes) Essen. Nicht zu viel. Hauptsächlich Pflanzen.” Mehr: Artikel in der New York Times (englisch)Das Zitat des bekannten Essensaktivisten und Professors für Journalismus, Michael Pollen (UC Berkeley, USA), wurde jetzt von einer groß angelegten Übersichts-StudieDabei handelt es sich um eine sogenannte Review, in der der aktuelle Stand zu einer bestimmten Forschungsfrage anhand der bis dato dazu veröffentlichten Studien ermittelt wird. bestätigt.

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„Stark“ industriell verarbeitete Lebensmittel sollten gemieden werden.

Die beiden Wissenschaftler Dr. Katz und Dr. Meller (Yale Universität, USA) haben die Auswirkungen der bekanntesten, gesundheitsfördernden westlichen Ernährungs-Formen miteinander verglichen. Dazu gehören:
• Wenig Kohlenhydrate, viel Protein (tierisch und pflanzlich)
• Wenig Fett (vegetarisch, teils mit Fisch und Meeresfrüchten)
• Niedriger glykämischer Index (= gibt die blutzuckersteigernde Wirkung von Kohlenhydraten an)
• Mediterran (angelehnt an traditionelle Ernährung in mediterranen Ländern)
• Gemischt, ausgeglichen (Minimierung von industriell verarbeiteten Lebensmitteln, mageres Fleisch eingeschlossen)
• Paleo-Diät (Steinzeitdiät, orientiert an vermuteter Ernährung der Altsteinzeit)
• Vegan (keine tierischen Produkte)
• Andere (z. B. glutenfrei, roh, kalorienreduziert)

Alle wirken sich positiv auf die Gesundheit aus und können Krankheiten vorbeugen – doch keine der Ernährungs-Formen garantiert einen speziellen Nutzen. Zu diesem Schluss kamen die Wissenschaftler anhand einer langen Liste von Belegen und Studien.

Was haben alle gesundheitsfördernden Ernährungs-Formen gemeinsam?

Der bewusste Umgang mit Essen: Iss nicht zu viel, iss wenig Fleisch, iss viel Pflanzliches und vermeide industriell verarbeitete Nahrung. Letztere besteht meist aus viel Zucker, Salz und Fett.

Die Wissenschaftler sehen es kritisch, dass häufig eine bestimmte Ernährungs-Form als die Gesündeste proklamiert wird. Solche Aussagen führen zu Verwirrungen und im schlimmsten Fall zu Skepsis gegenüber einer gesunden Ernährung.

Natürliches Essen benötigt keine „Gesundheitsversprechen“

„Wenn Du natürliches Essen zu Dir nimmst, Mehr: Zusammenfassung der Studienergebnisse (englisch)brauchst Du Dir [über den Nährstoffgehalt] keine Sorgen zu machen.“, erklärt Dr. Katz. „Du brauchst Dir über Transfette, gesättigtes Fett oder Salz nicht den Kopf zu zerbrechen – das meiste unseres Salzes kommt aus industriell verarbeitetem Essen, nicht dem Salzstreuer.

Wenn Du Dich auf echtes Essen konzentrierst, erhältst Du alle notwendigen Nährstoffe von allein.”

Brasiliens Ministerium für Gesundheit empfiehlt „echtes Essen“ & warnt vor Werbeversprechen

Brasilien – ein Land, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig ist Mehr: Bericht auf BBC (englisch)– berücksichtigt in seinen offiziellen Ernährungs-Empfehlungen vom Ministerium für Gesundheit genau dies: „echtes Essen“.

Im Oktober 2014 wurde die finale Version der Empfehlungen veröffentlicht und sorgt für Aufsehen: Die Empfehlungen anderer Länder, einschließlich Deutschland, beschränken sich meist auf bestimmte Mengenangaben für bestimmte Lebensmittel-Kategorien (z.B. Gemüse, Getreidewaren), sowie Richtwerte für die Aufnahme bestimmter Nährstoffe.Z.B. die maximale tägliche Aufnahme von Natrium und Cholesterin.

Brasilien geht einen neuen Weg und erklärt in einem 150 Seiten starken Bericht, dass Essen mehr als die „Aufnahme von Kalorien“ sei. Eine besondere Warnung geht an „stark“ industriell verarbeitete Lebensmittel, wie z.B. Snacks, Erfrischungsgetränke und Fertiggerichte. Die Richtlinien orientieren sich an Studien, die zeigen, dass der übermäßige Genuss von „stark“ industriell verarbeitenden Lebensmitteln die Gesundheit negativ beeinflusst.

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Von natürlich (links), über „leicht“ industriell verarbeitete Lebensmittel (Mitte), bis hin zu „stark“ industriell verarbeiteten Lebensmittel (rechts)

Die goldene Regel der neuen Empfehlungen: Natürliche oder „minimal“ industriell verarbeitete Lebensmittel, sowie frisch zubereitete Gerichte sind gegenüber „stark“ industriell verarbeiteten Lebensmitteln zu bevorzugen.

„Aufgrund ihrer Zutaten sind ‚stark‘ industriell verarbeitete Lebensmittel ernährungsphysiologisch unausgewogen. Aufgrund ihrer Zusammensetzung und Verkaufsstrategien werden sie häufig übermäßig konsumiert – und verdrängen natürliche oder minimal verarbeitete Lebensmittel.

Darüber hinaus betont das Ministerium für Gesundheit, dass „stark“ industriell verarbeitete Lebensmittel Kultur, Zusammenleben und Umwelt schaden.

Aktiv werden …

  • Die 10 wichtigsten Punkten der brasilianischen Empfehlungen anschauen – oder sogar daran orientieren?

1.) Mach natürliche oder minimal industriell verarbeitete Lebensmittel zur Grundlage Deiner Ernährung

2.) Nutze Öle, Fette, Salz und Zucker in kleinen Mengen zur Verfeinerung von Gerichten

3.) Minimiere die Aufnahme von industriell verarbeiteten Lebensmitteln

4.) Vermeide die Aufnahme von „stark“ industriell verarbeiteten Lebensmitteln

5.) Iss regelmäßig und bewusst in angemessener Umgebung und – wann immer möglich – in Gesellschaft

6.) Kaufe Dein Essen dort, wo es eine große Auswahl an natürlichen und minimal industriell verarbeiteten Lebensmitteln gibt

7.) Entwickle, experimentiere mit und teile Kochkünste

8.) Plane Deine Zeit so ein, dass Essen und Kochen eine wichtige Rolle spielen

9.) Wenn Du außer Haus isst, bevorzuge Orte, die frisch zubereitetes Essen anbieten

10.) Sei skeptisch gegenüber Werbung und Marketing für Lebensmittel

  • Frisches Obst, Gemüse und andere Lebensmittel in einer „Gemüsekiste“ regelmäßig zu Dir nach Hause bestellen. Such im Internet einfach nach „Gemüsekiste + Deine Stadt (z.B. Münster)“. In den meisten Städten gibt es mittlerweile mindestens 1 Angebot.
  • Bei der Solidarischen Landwirtschaft mitmachen und Teilhaber eines Bio-Bauernhofs werden, der Dich im Gegenzug mit Lebensmitteln versorgt
  • ARTE-Dokumentation (2014, 58 min) „Die Tricks der Lebensmittelindustrie” schauen
  • Vegane Tage einlegen: Mit dem Online-Kurs von PETA und Sänger Thomas D.
  • Rohkost-Rezepte von rohkost.de
  • WDR-Reportage über vegane Ernährung
Welche Ernährung ist die Gesündeste? „Echtes Essen. Nicht zu viel. Pflanzen.“ geschrieben von judith average rating 3.8/5 - 8 Besucherbewertungen

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