Kartoffelanbau in Wiesbaden
Flickr: Martin Fisch

Warum beschützt Erdöl deutsches Gemüse?
Weil unsere Plastik-Ackerfolie aus Erdöl ist

10.10.2014
Quelle:
National Geographic
In Zukunft kann Gemüse von Folie aus Mais & Zuckerrohr behütet werden – die letzte Testphase dafür hat begonnen. Immer mehr
Öl-Alternativen zur Plastikherstellung sorgen für Aufsehen.


Ackerfolie wird aus Erdöl hergestellt. Nach Gebrauch ist die Folie spröde, löchrig und nur schwer zu reinigen. Daher sind die Möglichkeiten, die Folie zu recyceln, gering: Sie wird meist verbrannt. Um dem entgegenzuwirken, arbeitet das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) seit 2011 an einer Ackerfolie, die biologisch abbaubar ist. Sie soll Landwirten die Arbeit erleichtern und die Umwelt schonen. Die letzte Testphase läuft – ab 2016 soll das Produkt erhältlich sein.

Ackerfolie: Wichtig für Spargel, Kartoffeln
und Biogasanlagen

Ackerfolie dient dazu, Wärme und Feuchtigkeit im Boden zu halten und so das Wachstum der angebauten Pflanzen zu verbessern. Sie wird vor allem bei Pflanzen eingesetzt, die früh gesät werden und frostempfindlich sind, z. B. Spargel, Kartoffeln oder Erdbeeren.

Außerdem wird die Folie genutzt, um Lagerstätten von Biogasanlagen zu bespannen, und daraus entstehende Geruchsbelästigungen zu vermeiden. Jährlich werden in Deutschland 130.000 Tonnen (t) Ackerfolie genutzt.

Jährlich werden in Deutschland 130.000 Tonnen (t) Ackerfolie genutzt.

Umweltschonende Alternative aus Mais und Zuckerrohr

Die neue Folie hat 4 Vorteile:Artikel in der Ostthüringischer Zeitung gegenüber der handelsüblichen Ackerfolie aus Erdöl

1. Hauptbestandteil Cellulose
Die vom TITK entwickelte Ackerfolie besteht hauptsächlich aus CelluloseDie genaue Zusammensetzung ist nicht veröffentlicht.
– dem Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände. Der Stoff wird häufig aus Mais und Zuckerrohr gewonnen. Erdöl ist nicht notwendig.

2. Speicherung von Regenwasser
Die neu entwickelte Folie speichert Regenwasser, das sie anschließend an die Erde abgeben kann. Damit kann die Bewässerung der unter ihr liegenden Pflanzen verbessert und wertvolles Trinkwasser geschont werden.

3. Klimaneutralität
Die Folie besteht zum größten Teil aus Pflanzen. Wenn sie biologisch abgebaut wird, gibt sie zwar CO2 frei – aber nur die Menge, die vorher von den für die Folie verwendeten Pflanzen aufgenommen wurde. Sie ist also klimaneutral.

4. Weniger Arbeit für Landwirte
Da die Cellulose-Folie in flüssiger Form ausgeliefert wird und erst an der Luft trocknet, kann sie maschinell am Boden oder an der Lagerstätte angebracht werden – das spart Zeit und Geld. Nach Gebrauch kann die Ackerfolie im Boden untergepflügt werden – dort zersetzt sie sich zu Wasser und CO2 und die Aufräumarbeiten bleiben den Landwirten erspart.

Biokunststoffe: Eine umstrittene Zukunftstechnik

Biokunststoffe sind umstritten – viele als Biokunststoff bezeichnete Produkte sind nicht biologisch abbaubar,Biologisch abbaubare Stoffe können durch Mikroorganismen und Enzyme (z. B. im Boden) abgebaut werden. Dabei entstehen in der Regel Wasser und CO2. Laut der EU-Norm dürfen Produkte, die als kompostierbar oder biologisch abbaubar gekennzeichnet werden, max. 5 % nicht abbaubare Stoffe enthalten und dürfen geringe Mengen Schwermetalle, z.B. Blei und Arsen, enthalten. der Begriff ist nicht geschützt.

Außerdem benötigen die für Bioplastik genutzten Pflanzen viel Fläche.
Sie werden meist unter Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln hergestellt,
die die Umwelt belasten. Daher haben sie keinen ökologischen Vorteil Bericht des Umweltbundesamtes gegenüber herkömmlichen Kunststoffen.

Um „echte“, wettbewerbsfähige Biokunststoffe herstellen zu können,
müssen also 2 Bedingungen erfüllt sein:
a) Zusätzliche Flächen werden nicht benötigt
b) Die Werkstoffe sind tatsächlich biologisch abbaubar

3 Beispiele für Biokunststoffe aus Abfallprodukten

Zur Reduzierung der Flächennutzung bei der Herstellung von Bio-Plastik gibt es bereits Ansätze:

1. Alternatives Plastik aus Bananenschalen
2013 stellte eine 16-jährigeArtikel vom GMA Network eine Methode vor, um Zellstoff aus Bananenschalen zu gewinnen. Da Bananen ohnehin angebaut werden,
müssen dafür keine zusätzlichen Flächen bereitgestellt werden.

2. Alternatives Plastik aus Abfällen der Papierherstellung
Auch Lignin, ein Abfallprodukt der Zellstoffindustrie,Zellstoff wird zur Herstellung von Papier, Watte und Karton genutzt.
90 % des weltweit erzeugten Zellstoffs wird aus Holz hergestellt.
könnte dabei helfen,
den Erdölverbrauch zu reduzieren. Verbunden mit anderen Stoffen entsteht ein Material, das u. a. für Möbel, Spielzeug und Musikinstrumente verwendet werden kann. Die Firma Tecnaro bietet es unter dem Namen „Arboform“ an. Lignin kann auch anders verwendet werden: Die Universität des Saarlandes forscht daran, Nylonstrumpfhosen mit Lignin anstelle von Erdöl herzustellen.

3. Alternatives Plastik aus Krabbenschalen
Eine Forschungsgruppe der Harvard University forscht an einer weiteren Alternative zu Plastik, hergestellt aus Krabbenschalen und Spinnenfäden. Das Material nennt sich „Shrilk“, ist vielfältig einsetzbar und biologisch abbaubar. Auch für diesen Plastikersatz müssen Pflanzen nicht extra angebaut werden
– Krabbenschalen sind ein Abfallprodukt der Nahrungsmittelindustrie.

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