Welche Mode-Marken sind wirklich „grün“?

Welche Mode-Marken sind fair & ökologisch?
Mehr als 300 Marken bewertet – 15 Mal Note „sehr gut“

25.11.2014
Quelle:
Rank a Brand
Welche Arbeitsbedingungen haben die Näher Deiner Jeans? Rank a
Brand zeigt, welche Marken-Hersteller Verantwortung übernehmen.
Arbeitsbedingungen, Klima- & Umweltschutz werden bewertet.


Jede Woche kommen neue Bewertungen von Rank a Brand (deutsch: Bewerte eine Marke) dazu: Der Umweltversand Waschbär ist mit der besten Bewertung „A“ (sehr gut) eingestiegen. Die 3 Schuhhersteller TOMS, Think! und Pikolinos haben – trotz gutem Image als nachhaltige Marke – nur mit den beiden schlechtesten Noten „D“ (Think!) und „E“ abgeschnitten.

Viele Marken, die in ihrer Unternehmens-Philosophie bewusst auf soziale und ökologische Aspekte setzen, haben sehr gut abgeschnitten. Dazu gehören z.B. Greenality, Armedangels, Hess Natur und bleed.

Auffallend: Teure Marken wie Louis Vuitton, Hugo Boss und Ralph Lauren haben besonders schlecht abgeschnitten.

10 Deutsche Marken erhalten Höchstnote:
H&M auf dem Weg zu mehr Transparenz und Fairness

2014 wurde der neueste Bericht von Rank A Brand für Kleidung veröffentlicht. Eine Zusammenfassung des „Feel Good Fashion“ – Berichts (deutsch: „Wohlfühl-Mode“) kannst Du Dir online anschauen.Der Bericht wurde im März 2014 veröffentlicht. Die neuen Bewertungen, z.B. vom Waschbär sind darin noch nicht enthalten, sind aber auf der Website von Rank a Brand zu finden.

Alle getesteten Marken erhalten anhand von 16 Kriterien eine Bewertung zwischen „A“ („sehr gut“) und „E“ („sehr schlecht“). Von den 15 Marken, die ein „A“ erhielten stammen 10 aus Deutschland.

rank-a-brand, hessnatur, bleed, waschbar, nudie jeans, mud jeans, pants to poverty, armed angels, recolution, pyua, saint basics, freitag, greenality, kollateralschaden, minga berlin, band of rascals

Die 15 Mode-Marken, die von Rank a Brand die Höchstnote „A“ erhielten

Überraschend: H&M HP de tijd berichtet über die Ergebnisse (niederländisch)erhält ein „B“. Begründung: Die hohe Transparenz bei Zulieferern, die aktive Kontrolle von Arbeitsbedingungen und der Einsatz für ökologische und Klima-Ziele.

Bei Marken, die ein „B“ erhalten, besteht Verbesserungsbedarf:

„[…] Marken, die wir in Kategorie B eingeordnet haben produzieren nicht einwandfrei. Deshalb kaufe ich auch nur von Marken aus der A-Kategorie.“, so Evelien Bossuyt Das belgische Magazin MO berichtet über die Ergebnisse (niederländisch) Mitarbeiterin für Rank-A-Brand.

Ist Deine Lieblingsmarke auch dabei?
Mehr als 50 % erhalten schlechteste Note „E“

Tatsächlich beschäftigen sich mehr als 50 % der getesteten Mode-Marken kaum bis gar nicht mit Nachhaltigkeit. Sie erhalten die schlechteste Note „E“.

Teure Marken wie Armani, Louis Vuitton, Ralph Lauren, Michael Kors and Hugo Boss erhalten alle ein „E“. Teurer heißt also nicht unbedingt besser – was die Umwelt und faire Arbeitsbedindungen anbelangt.

Rank a Brand verteilt auch Warnungen für Greenwashing an Marken, die sich als nachhaltig ausgeben, obwohl sie in Wirklichkeit nichts dafür tun.

Eine solche Warnung erhalten neben vielen teuren Marken (z.B. Hugo Boss, Louis Vuitton und Michael Kors), auch andere sehr bekannte Marken, wie New Yorker, Bugatti, Tamaris, Havaianas, Hollister, Fossil und Vans. Sie erreichten alle ebenfalls nur die Note „E“.

Faire Arbeitsbedingungen:
Nachholbedarf bei 91 % aller Marken

53 % der untersuchten Marken haben einen sogenannten Code of ConductEin Abkommen, das auf den SA8000 Standards oder den Fairtrade Standards for Hired Labour (deutsch: Standards vom Fairen Handel für Angestellte) basiert. (deutsch: Durchführungs-Abkommen) mit ihren Lieferanten.

Das Abkommen verbietet Kinderarbeit, jegliche Form der Diskriminierung und verlangt einen sicheren und hygienisch sauberen Arbeitsplatz. Das Problem: Nur 9 % aller Unternehmen prüfen, ob ihre Zulieferer das Abkommen einhalten.

Klimaschutz, Fairtrade, Fairer Handel, Arbeitsbedingungen, CO2

Beim Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesh starben 2013 mehr als 1.100 Textilarbeiter.

Außerdem: Nur 1/3 der bewerteten Mode-Marken sind Mitglied in einer gemeinschaftlichen Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen – oder kaufen Waren von geprüften Fabriken mit zumindest mittelmäßigen Arbeitsbedingungen.

Rank a Brand (wieder Evelien Bossuyt) dazu:

„Viele Marken kümmern sich bisher nicht wirklich um die Nachhaltigkeit. Im Moment hat der Nachhaltigkeits-Gedanke aber auch nicht viel Einfluss auf das Konsumverhalten, was zum größten Teil von anderen Faktoren beeinflusst wird. Viele Menschen denken irrtümlicherweise z.B. dass Fair-Trade Produkte teurer oder von schlechterer Qualität sind.“

Klima- & Umweltschutz:
Bisher häufig auf Ladenlokale beschränkt

Obwohl 50 % das Ziel haben, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren oder zu kompensieren, gelingt nur 4 % eine Verringerung.

Lediglich 7 % der Unternehmen berücksichtigen den CO2-Ausstoß in der gesamten Produktionskette. Mit anderen Worten: Im Ladenlokal hängen Energiesparlampen, aber die CO2-Emissionen in den Fabriken bleiben unbeachtet – obwohl dort der Großteil der Emissionen anfällt.

Nur 16 % aller Unternehmen haben eine Regelung, die die Vermeidung von Schadstoffen im Herstellungsprozess klärt.

china umweltverschmutzung

Industrie-Fabriken am längsten Fluss Chinas, dem Jangtsekiang, verschmutzen Luft und Wasser.

Wie bewertet Rank a Brand?

Rank a Brand wurde in den Niederlanden als Stiftung gegründet, mittlerweile gibt es auch den deutschen Rank a Brand e.V. Neben Kleidung werden auch andere Branchen, z.B. Telekommunikation und Reisen, bewertet.

Die 3 Bereiche faire Arbeitsbedingungen, Umwelt- und Klimaschutz werden anhand von 16 Fragen untersucht – jede Frage wird am Ende entweder mit „ja“, „nein“ oder einem „?“ beantwortet. Um dies abzuwägen sind für jede Frage Vorgaben und BeispieleZum Beispiel lautet eine der Fragen zum Thema Klimaschutz: Veröffentlicht der Markenhersteller eine absolute Klimabilanz zum eigenen Betrieb? Wurde die Klimabilanz in den letzten 5 Jahren um mindestens 10% reduziert oder kompensiert?

Diese Frage wird mit „nein“ beantwortet, wenn das Unternehmen keinen CO2-Fußabdruck dokumentiert, wenn keine %-Angabe der CO2-Einschränkung gemacht wird, wenn nicht genug Informationen bereitgestellt werden, um die Einsparung (oder Erhöhung) zu berechnen oder wenn nur eine relative Angabe (z.B. zum Umsatz oder der verkauften Produkte) zum CO2-Fußabdruck gemacht wird.
in einem Online-Handbuch angegeben.

Alle Bewertungen sind zu 100 % nachvollziehbar: Fragebögen, Das Rank a Brand Handbuch (englisch)Quellen und Bewertungen pro Frage sind online veröffentlicht.

Erhält eine Marke für mehr als 75 % der Fragen ein „ja“ erhält sie ein „A“ – bei weniger als 15% gibt es ein „E“. Traurig: Fast die Hälfte aller überprüften Hersteller wurde mit der schlechtesten Note bewertet.

Klimaschutz, Fairtrade, Fairer Handel, Arbeitsbedingungen, CO2

Die Bewertungs-Skala von Rank a Brand

Das Besondere an Rank a Brand: Die Organisation untersucht die Nachhaltigkeit der Mode-Hersteller anhand veröffentlichter Nachrichten – entweder durch die Unternehmen selbst oder glaubwürdige Drittquellen, z.B. Carbon Disclosure Projekt und Made-By.Das Carbon Disclosure Project (deutsch: Projekt zur Offenlegung von Kohlenstoff ) ist eine Nichtregierungsorganistion (NGO), die sich dafür einsetzt, dass Unternehmen und Kommunen einmal jährlich ihre Umweltdaten (inklusive Treibhausgas-Emissionen und Wasserverbrauch) offenlegen. Sie erhebt die Daten anhand von standardisierten Fragebögen. Mittlerweile verwaltet das CDP die größte Datenbank dieser Art.

Made-By ist eine britische Organisation, die Unternehmen in der Textilbranche hilft, die Auswirkungen der gesamten Produktionskette – vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt – zu verbessern. Neben Beratungsleistungen, bietet es kostenlose Tools und ein Bewertungs-System (Mode Tracker) an.

Andere Rankings nutzen meist eigene Fragebögen, die an die Unternehmen gesendet werden. Für Rank a Brand ist es wichtig, dass die Firmen selbst Nachhaltigkeits-Berichte erstellen – oder erstellen lassen.

Nur wenn konkrete Zahlen erhoben werden, könne ein Unternehmen beweisen, dass es tatsächlich nachhaltig sei. Mögliche Kritik: So werden Großunternehmen, die sich eine eigene Nachhaltigkeits-Abteilung leisten können, gegenüber kleinen bevorzugt.Lars Wittenbrink, Teil-Inhaber des Ethical Fashion Store „Grüne Wiese“ in Münster und Blogger zu Öko-Mode, verweist auf das mögliche Problem fehlender Ressourcen für eine ausführliche Berichterstattung bei kleineren Unternehmen.

Rank a Brand betont, dass jedes Unternehmen, das den Anspruch hat, nachhaltig zu sein, überprüfen muss, wo Rohstoffe herkommen und welche Wege zurückgelegt werden.

Das Ziel von Rank a Brand:
Mode-Marken zu mehr Nachhaltigkeit bewegen

Rank a Brand sieht seine Aufgabe in einem Kreislauf aus Bewertung, Feedback und daraus folgenden Verhaltensänderungen der Mode-Marken.

Durch die Bewertungen soll der Druck auf die Unternehmen erhöht werden: Deine Lieblingsmarke hat ein „D“ erhalten und Du lässt sie wissen, dass Dir das nicht ausreicht (siehe „Aktiv werden“ unten) – wenn dies außer Dir genug andere Menschen machen, ist das Unternehmen gezwungen etwas zu ändern.

Letztendlich entscheiden die Verkaufszahlen darüber, ob ein Unternehmen seine Produktions-Bedingungen ändert.

Klimaschutz, Fairtrade, Fairer Handel, Arbeitsbedingungen, CO2

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DIE REALE WELT

Nur 1 % Fairtrade-Schokolade in Deutschland:
Wo bekommst Du Schokolade ohne Kinder-Arbeit?

Quelle:
Die reale Welt
Gepa, El Puente & dwp sind die 3 größten Unternehmen mit
„wirklich fairer“ Schokolade. Wo? Im Weltladen und in einigen
(Bio-)Supermärkten. Das „Fairtrade“-Siegel steht in der Kritik.


Das Grundproblem in der Schokoladenindustrie ist die Armut der Kakaobauern: Sie stehen zu Beginn der Produktionskette und erhalten von
den Zwischenhändlern für ihre Ernte nicht genug Geld um zu überleben. Darum werden auf den Kakaoplantagen Kinder als billige Arbeitskräfte eingesetzt.

Unseren Artikel „Kinder-Schokolade kommt von Kinder-Arbeit“ über
Kinder-Arbeit und -Sklaven auf Kakaoplantagen findest Du hier.

Bestimmt hast Du das Fairtrade-Siegel (deutsch: Fairer Handel) auf Verpackungen im Supermarkt schon mal gesehen. Doch das Siegel steht in der Kritik – wenn Du wirklich auf Kinder-Arbeit in Deiner Schokolade verzichten willst, solltest Du sie von sogenannten Fair-Handelsimporteuren kaufen.

Die Idee des Fairen Handels

Der faire Handel ist eine internationale Bewegung um die Lebensbedingungen von Kleinproduzenten, z.B. Kakao-, Tee- und Kaffeebauern, zu verbessern. Dazu gehört eine Produktion ohne Kinder-Arbeit.

Die Grundidee ist einfach: Die Bauern und Kleinproduzenten erhalten einen garantierten Mindestpreis, der Lebenshaltungs- und Produktionskosten abdeckt. Zusätzlich erhalten sie eine Sozialprämie – die sogenannte Fairtrade-Prämie – die wirtschaftliche und soziale Projekte, z.B. den Bau von Schulen, fördert. So werden Spekulationen und Zwischenhändler ausgeschaltet. Die Bauern haben mehr Sicherheit und es ist nicht länger notwendig, dass Kinder als günstige Arbeitskräfte auf den Plantagen arbeiten.

Eine allgemein anerkannte Definition von „Fairem Handel“ gibt es nicht. Stattdessen gibt es verschiedene Siegel und Ansätze, die angeben, sich für den fairen – oder nachhaltigen – Handel mit Kleinproduzenten einzusetzen. Soweit die Theorie – wir vergleichen verschiedene Zertifizierungen und Ansätze um Kinder-Arbeit und Ungerechtigkeit beim Kakaohandel zu stoppen.

Unabhängige und firmeneigene Siegel
für Fairen Handel im Vergleich

 
Das Wichtigste in Kürze:
Von wem?
Fairtrade

  • Vorteile für Kleinproduzenten vor allem durch ökonomische Standards
    – aber nicht ohne ProblemeDie Kontrollen der Standards standen in den letzten Jahren wiederholt in der Kritik. Erst im Mai dieses Jahres sorgte eine Studie der Universität London für internationale Aufmerksamkeit: Sie zeigte, dass in Äthiopien und Uganda vor allem die Saisonarbeiter, d.h. die Ärmsten, benachteiligt bleiben.
  • Unabhängiges Gütesiegel der Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO)
    mit Sitz in Bonn
  • UTZ


  • Niedrigste Standards

  • Produkte sind weder „fair“ noch „bio“

  • Unabhängiges Gütesiegel der gleichnamigen Stiftung mit Sitz in Amsterdam
  • Rainforest Alliance


  • Geringere Standards als Fairtrade-Siegel

  • Vorteile für Kleinproduzenten vor allem im Umweltbereich (z.B. weniger Pestizide)

  • Produkte sind weder „fair“ noch „bio“

  • Unabhängiges Gütesiegel der gleichnamigen internationalen Umweltorganisation
    mit Hauptsitz in New York
  • Firmeneigene Gütesiegel, z.B. Hand in Hand (Rapunzel)


  • Bio-Produkte

  • Ökonomische Vorteile für Kleinproduzenten, aber deutlich schwächer als Fairtrade

  • Siegel firmenabhängig
    (Gefahr eines Interessenkonflikts)

  • „Hand in Hand“ vom Naturkosthersteller Rapunzel
  •  
    Ziel?
    Gezahlte Preise an Produzenten
  • Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinproduzenten, inklusive damit Verbundener Umweltaspekte

  • Fairer Preis, der Produktions- und Lebenshaltungskosten abdeckt;
    häufig garantierter Mindestpreis

  • Verbesserung der Lebens-
    und Arbeitsbedingungen der Kleinproduzenten, inklusive
    damit verbundener Umweltaspekte

  • Keine Mindestpreise
  • Minderung von Umweltschäden
    aufgrund von
    Produktionsbedingungen

  • Zusätzlich ausgewählte Sozialkriterien

  • Keine Mindestpreise
  • Ergänzung des positiven Images als Bio-Kleinproduzent durch Übernahme sozialer Verantwortung gegenüber Kleinproduzenten
  • „Preis über Weltmarkt-niveau, der Produktions-und Lebenshaltungskosten abdeckt.“

  •  
    Wann darf es bei 1 Zutat verwendet werden?
    Wann darf es bei Mischprodukten verwendet werden?
  • 100 % FLO-zertifiziert
  • Alle Zutaten, für die es FLO-Standards gibt; mindestens 20 % der Gesamtzutaten
  • Keine Angabe
  • Mindestens 90 % einer Einzelzutat zertifiziert
  • Mindestens 90 % zertifiziert, mindestens
    30 % mit Zusatz am Logo
  • Wenn zertifizierter Bestandteil wesentlich ist und zu mindestens 90 % zertifiziert ist
  • „Soll zu 100 % von
    Hand in Hand- Lieferanten stammen.“

  • Mindestens 50 % der Bestandteile zertifiziert
    (kann auch nach FLO-Standards sein)
  • Fairtrade-Siegel in der Kritik
    Prämien landen bei Mittelsmännern statt bei Bauern

    Fazit: Im Vergleich der unabhängigen Siegel schneidet das Fairtrade-Siegel am besten ab. Dennoch leidet die Initiative unter einem großen Problem: Es werden immer nur Kooperativen Investigativer Bericht zur Situation von Kakaobauern im fairen Handel (englisch) zertifiziert – einzelne Kakaobauern können keine Fairtrade-Zertifizierung erhalten. Das führt dazu, dass die Fairtrade-Prämie häufig von Mittelsmännern (z.B. Verwalter der Kooperative) einbehalten wird. Viele der an Kooperativen angeschlossenen Kakaobauern und Kleinproduzenten wissen nicht, was fairer Handel ist und warum sie „ab und zu“ ein wenig mehr Geld von den Verwaltern der Kooperativen erhalten.Der Bericht „The FAIRTRADE chocolate rip-off“ (deutsch: „Der Schwindel mit der FAIRTRADE Schokolade“) von 8 investigativen Journalisten basiert auf Recherchen in Afrika und ist von 2012. Das Hauptproblem: Das Fairtrade-System verstärkt die Macht der Kooperativen [vor Ort in Afrika] – auf Kosten der Bauern und Kleinproduzenten.

    Beispiel KitKat: Darf Fairer Handel draufstehen,
    wo kein Fairer Handel drin ist?

    Gemeinsam kontrollieren die weltweit größten Schokoladenhersteller 70,2 % des Schokoladenmarktes. Aktuell verkauft keines dieser Unternehmen ausschließlich fair gehandelte Produkte. Tatsächlich haben nur einige einen meist geringen Anteil ihrer Produkte bisher zertifizieren lassen – dies ist von Land zu Land unterschiedlich. So tragen beispielsweise KitKat-Riegel von Nestlé in England das Fairtrade-Siegel, in Deutschland jedoch nicht.Im Rahmen des sogenannten Cacao-Plans von Nestlé werden seit 2009 über 10 Jahre 80 Millionen € in Pflanzenforschung, Schulung der Bauern, Bereitstellung von leistungsfähigen Kakaopflanzen, Prämien für die Bauern und den Aufbau einer transparenten Lieferkette vom Bauern bis zum Werk investiert. Der verarbeitete Kakao ist teilweise UTZ-zertifiziert, zur Problematik mit diesem Siegel siehe unsere Tabelle.

    Eine Beobachtung: In England sind fast überall fair gehandelte Lebensmittel erhältlich – sie werden als „normal“ angesehen. Dort druckt Nestlé das Fairtrade-Siegel auf die Verpackungen. In Deutschland, dem Land der weltweit größten Schokoladenliebhaber – macht sich Nestlé diese Mühe nicht.

    Wichtig: Nestlé kann nicht garantieren, dass Dein in London gekaufter KitKat-Riegel mit Fairtrade-Siegel tatsächlich aus fair gehandeltem Kakao produziert wurde – da die Zertifizierung prozentual verläuft: Wenn beispielsweise 10 % des von Nestlé verarbeiteten Kakaos fair gehandelt sind, darf das Unternehmen 10 % seiner Produkte mit dem Fairtrade-Siegel drucken. Es ist aber nicht garantiert, dass die Produkte mit Siegel tatsächlich den fair gehandelten Kakao enthalten.

    Suesswaren--und-Schokoladenmarktes-web

    Gepa, El Puente & dwp aus dem Weltladen:
    Garantie für Produktion ohne Kinder-Arbeit

    Du willst dazu beitragen, dass unsere Schokolade nicht aus Kakao gemacht wird, der von Kindern geernet wurde? Dann solltest Du sie nur von sogenannten Fair-Handelsimporteuren kaufen. Das sind Unternehmen, die ausschließlich fair gehandelte Produkte verkaufen.

    Ihre Unternehmensphilosophie: Das Leben der Kleinproduzenten zu verbessern – aus diesem Grund haben sie sich gegründet. Darum beziehen
    sie ihre Rohstoffe und Produkte direkt von den Kleinproduzenten, z.B. den Kakaobauern. So werden Zwischenhändler und Spekulanten auf dem Weltmarkt vermieden. Die Kriterien dieser Unternehmen, z.B. an die Arbeitsbedingungen und Unterstützung auf den Kakaoplantagen, gehen
    weit über die Mindestkriterien des Fairtrade-Siegels hinaus.Dies ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen dem europäischen Bio-Siegel (= Mindestkriterien) und dem einzelner ökologischer Anbauverbände, z.B. demeter und Naturland (= höhere Kriterien).

    Die 3 größten deutschen Fair-Handelsimporteure sind:

     
    NameGesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbHDie Brücke (spanisch)dritte-welt partner eG
    Umsatz61,2 Millionen € (2012/13)9,3 Millionen € (2012/13)8,2 Millionen € (2012/13)
    Gründung197519721988

    Die Produkte von gepa, El Puente und dwp findest Du vor allem in sogenannten Weltläden. Eine Liste der beim Dachverband registrierten Weltläden findest Du hier.

    Es gibt jedoch auch unabhängige Weltläden, die dort nicht eingetragen sind, weil sie sich die anfallenden Gebühren nicht leisten können. Diese findest Du meist über eine einfache Suchanfrage mit „Weltladen“ und „Name der Stadt“ (z.B. Münster).

    Weltläden verkaufen – meist mit der Unterstützung von Ehrenamtlichen – fair gehandelte Waren. Mittlerweile findest Du vor allem gepa-Produkte darüber hinaus nicht nur in Bioläden, sondern auch in größeren Supermärkten, wie Edeka und Rewe in einem eigenen Warenregal.

    Die österreichische Schokoladenmanufaktur zotter Mitteilung von dwp bezieht Rohstoffe von dwpDieses Beispiel hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bestimmt gibt es noch weitere Firmen, die mit Fair-Handelsimporteuren zusammenarbeiten – Du kennst weitere Beispiele für „faire Schokolade“? Schick sie uns einfach an wir@die-reale-welt.de. und nutzt ausschließlich Zutaten in Bio-Qualität.

    Praktisch: Auch Handwerksprodukte wie Geschirr, Besteck und Salzstreuer sind in Weltläden im Angebot.

     

    Lecker: In Weltläden gibt es nicht nur Schokolade, Tee und Kaffee aus fairem Handel.

    Vielleicht fällt Dir beim Kauf der Schokolade von El Puente und Co. auf, dass diese kein Fairtrade-Siegel trägt. Dies ist bewusst von den Unternehmen so gewählt:El Puente spricht sich generell gegen eine Verwendung des Siegels für seine Produkte aus. In besonderen Fällen – wenn eine Abgrenzung notwendig ist – kann auf Wunsch der Wiederverkäufer ein Siegel für bestimmte Produkte angefragt werden. gepa hatte bis 2011 für alle Produkte, die laut FLO Richtlinien zertifiziert werden konnten (z.B. gehören Handwerksprodukte und Quinoa nicht dazu) das TransFair-Siegel. Seit 3 Jahren verzichten sie aus ähnlichen Gründen wie El Puente darauf und verwenden es aktuell nur noch auf „Einsteigerprodukten“ um laut eigener Aussage mehr Menschen den Zugang zum fairen Handel zu erleichtern. Dadurch vermeiden sie Kosten für den Zertifizierungsprozess und es bleibt mehr Geld für die Kleinproduzenten – ihre direkten Handelspartner – übrig.

    Nur 1 % in Deutschland bisher zertifiziert
    – obwohl wir Schokoladen-Weltmeister sind

    Der größte Teil der weltweit produzierten Schokolade ist weder mit dem Fairtrade-Siegel zertifiziert, noch von einem Fair-Handelsimporteur auf den Markt gebracht. So kann nicht sichergestellt werden, dass die Schokolade ohne Kinder-Arbeit hergestellt wurde.

    Deutschland ist weltweit der größte Schokoladenliebhaber: 11,56 kg Daten der internationalen Kakaoorganisation (ICO) aß jeder Deutsche pro Jahr (stetig gestiegen von 10,32 kg im Jahr 2002). Damit landet Deutschland auf Platz 1.Andere Listen platzieren Deutschland auf einem leicht niedrigeren Platz, in jedem Fall aber unter den ersten 5.

    Gerade mal 0,01 kg dieser Menge sind mit dem TransFair-Siegel – dem in Deutschland bekanntesten Zeichen für fairen Handel – ausgezeichnet.TransFair Deutschland bestätigt den Verkauf von 1.020 Tonnen (t) durch sie zertifizierte Schokolade in Deutschland im Jahr 2013. D.h. Schokolade mit anderen Siegeln und die von Fair-Handelsimporteuren ist hier nicht berücksichtigt. Angesichts ihrer Verkaufszahlen wird der Marktanteil fair gehandelter Schokolade in Deutschland jedoch nicht drastisch steigen.

    Diese geringen Zahlen zeigen, wie klein das Bewusstsein für die Probleme der Schokoladenproduktion in Deutschland noch ist. Auch wenn das Fairtrade-Siegel problematisch ist, hat es international dazu beigetragen, dass Menschen die Idee des Fairen Handels kennen.

    Fachmenschen aus der Kakaoindustrie “The FAIRTRADE chocolate rip-off“ (Seite 16, englisch) sind sich sicher: Nur wenn die Kakao-Bauern mehr „Macht“ bekommen – sei es durch Geld, Informationen oder beides – können sie nachhaltig wachsen und ihre Kinder zur Schule schicken.

    Mach Deine Schokolade fair!
    EU-weite Kampagne – das kannst Du jetzt tun!

    Die EU-weite Kampagne „Make Chocolate Fair!” (deutsch: “Mach Schokolade Fair!”) will das Bewusstsein von Dir und anderen Schokoladenessern über die anhaltenden Verstöße auf den Kakaoplantagen stärken: Kinder-Sklaven und -Arbeit sollen bald der Vergangenheit angehören.

    Der Bus der “Make Chocolate Fair!” Kampagne besucht auf seiner 3-monatigen Reise 14 Länder.

    Bis Ende Oktober befindet sich ein Kampagnenbus auf einer 3-monatigen Reise durch Europa, um möglichst vielen Menschen von den Zuständen auf den Kakaoplantagen zu berichten. So sollen die EU-Bürger davon überzeugt werden, fair gehandelte Schokolade zu kaufen. Mit dieser Petition kannst Du Deine Kritik an der Schokoladenindustrie äußern: Gegen Kinder-Arbeit, gegen Sklaverei, gegen lebensgefährliche Arbeitsbedingungen und gegen die Ausbeutung der Kakaobauern.
    Erst wenn sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kakaobauern verbessert haben, ist die produzierte Schokolade wirklich „süß“.

    Die 4 Forderungen der „Make Chocolate Fair“ Kampagne an die Schokoladenindustrie:

    1.) Faire Bezahlung von Kakaobauern und ihren Arbeitern

    2.) Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte entlang der gesamten Kakao-Wertschöpfungskette und Ablehnung ausbeuterischer Kinder-Arbeit

    3.) Unterstützung von Kakaobauern und -bäuerinnen bei der Umsetzung einer nachhaltigen Landwirtschaft

    4.) Anwendung eines unabhängigen Zertifizierungs- und Kontrollsystems

    Aktiv werden …

    • Überzeuge die Schokoladenhersteller: Petition der „Make Chocolate Fair!” Kampagne unterschreiben
    • Werde zum Botschafter: Informationsmaterialien der „Make Chocolate Fair!” Kampagne an Freunde und Familie verteilen
    • Sei live dabei: … wenn der Kampagnen-Bus in Deiner Nähe ist
    • Unterstütze die „Make Chocolate Fair!” Kampagne aktiv: Hier kannst Du nachlesen, wie
    • öko-fair: Portal zu fair gehandelten und ökologischen Lebensmitteln der Verbraucher Initiative e.V.
    • Label online: Übersicht über alle 600 Label in Deutschland (mit Suchfunktion)
    • Free the slaves: Internationale Nichtregierungsorganisation, die sich gegen die aktuelle Sklaverei einsetzt (21 – 30 Millionen Sklaven weltweit) (englisch)
    • Schmutzige Schokolade (43 min): Dokumentarfilm von 2010 von Miki Mistrati

    Eine Fortsetzung der News folgt: Besuch uns bald wieder und bleib mit dem Newsletter (siehe unten) auf dem Laufenden!

     

    Nur 1 % Fairtrade-Schokolade in Deutschland:
    Wo bekommst Du Schokolade ohne Kinder-Arbeit?
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