SOLIDARISCHE LANDWIRTSCHAFT e.V.
Solidarische Landwirtschaft, Obst, Gemüse, Ökologische Landwirtschaft, Bauernhof
Bei der Solidarischen Landwirtschaft kann jeder – der möchte – mit anpacken.
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Statt Obst & Gemüse vom anderen Ende der Welt: Werde Teilhaber eines Bauernhofes

Die Idee: Mehrere Haushalte teilen sich einen Bauernhof und erhalten wöchentlich regionale und saisonale Bio-Lebensmittel. Schon 60 Höfe bieten die solidarische Landwirtschaft!
22.11.2014
Quelle:
Solidarische Landwirtschaft e.V.

Du traust den Lebensmitteln im Supermarkt nicht mehr? Du möchtest Bio-Gemüse, aber nicht die Gurke aus Südafrika? Stattdessen hättest Du gern Obst, Gemüse, Eier und Fleisch vom eigenen Hof, hast aber keine Zeit für den Anbau?

Die Lösung:

Werde „Teilhaber“ eines Bauernhofes und bekomme Einblick in die Produktion Deiner regionalen Lebensmittel – mach mit bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLawi).

Wie geht das?

Bei der SoLawi wird ein ganzer Bauernhof finanziert – nicht nur die dort erzeugten Produkte. Mehrere Privat-Haushalte tun sich zusammen, um die laufenden Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs zu decken.

Jeder einzelne Haushalt garantiert für 1 Jahr, eine bestimmte Menge der auf dem Hof produzierten Lebensmittel zu kaufen.

Was genau produziert wird, ist abhängig vom jeweiligen Hof – in der Regel nutzen alle die ökologische Landwirtschaft. Einige produzieren vegan, bei anderen sind auch Fleisch und Milchprodukte im Angebot.

Bei manchen SoLawi-Höfen kannst Du als Teilhaber mitbestimmen, wie die Tiere gehalten werden oder welches Gemüse angepflanzt wird.

SoLawi in Deutschland: 60 bestehende Gemeinschaften & 80 Initiativen

Die „Keimzelle“ der SoLawi in Deutschland ist der Buschberghof in Fuhlenhagen: 1988Mehr: Auskunft des Buschberghofes  startete der Bio-Hof in Schleswig-Holstein mit 45 Familien als Teilhabern.

Im Hofladen wurden weiterhin Gemüse, Obst und Fleisch verkauft. Nach einem sehr erfolgreichen 1. Jahr konnte der Laden im 2. Jahr geschlossen werden.

1993 hatte sich die Anzahl der beteiligten Familien bereits verdoppelt. Auch heute wird der Buschberghof noch bewirtschaftet.

Solidarische Landwirtschaft, Obst, Gemüse, Ökologische Landwirtschaft, Bauernhof

Übersicht der Teilnehmer der Solidarischen Landwirtschaft in Deutschland - auch in Deiner Nähe?

Aktuell gibt es deutschlandweit über 60Mehr: Auskunft von Solidarische Landwirtschaft e.V. SoLawi-Höfe und knapp 80 Initiativen, die einen neuen SoLawi-Betrieb gründen wollen.

Beiträge & (freiwillige) Mitarbeit: Jeder SoLawi-Hof ist ein wenig anders organisiert

Beitrag und Mithilfe unterscheiden sich von Hof zu Hof:

1.) Beiträge

Einmal pro Jahr treffen sich die (potenziellen) Teilhaber mit den Landwirten und Gärtnern. Dann wird gemeinsam überlegt, wie hoch die Ausgaben des Hofes sind und welcher Monatsbeitrag angemessen ist.

2 Beispiele für die Beitrags-Zahlung:

  • Fester Monatsbeitrag Mehr: Auskunft von Solawi Rostockfür eine feste Lebensmittel-Menge, z.B.
    • 85 € für 1 Gemüseanteil
    • 70 € für 1 Fleischanteil
    • 25 € für 1 Käseanteil
  • Fester Monatsbeitrag mit festem Angebot, z.B. 156 € Mehr: Auskunft des Gärtnerhofes Staudenmüller in Brandenburg für 1 ErnteanteilWas genau 1 Ernteanteil ist, variiert mit der Jahreszeit. Ende Januar kann zu 1 Ernteanteil für 156 € z.B. gehören:
    • 2 kg Möhren,
    • 300 g Porree,
    • 1 Sellerie,
    • 1 Kohl,
    • 250 g Sauerkraut,
    • 200 g Rettich,
    • 2 Stück Wurzelpetersilie,
    • 1 Kohlrabi,
    • 2 kg Kartoffeln,
    • 1 Flasche Saft

Nicht jeder Hof ist gleich: Oft gibt es monatlich feste Beiträge und die Landwirte legen offen, was von den Mitgliedsbeiträgen bezahlt wird. Es gibt auch Höfe, die viertel- und halbjährlich zu zahlende Beiträge anbieten.

Nicht alle Höfe haben festgelegte Beiträge: Einige variieren je nach den finanziellen Möglichkeiten des Teilhabers. Wie genau Dein SoLawi-Hof die Bezahlung regelt, fragst Du am besten nach.

2.) Mitarbeit auf dem Hof

Eine Mitarbeit auf dem Hof kann freiwillig oder verpflichtend sein – die meisten Teilnehmer eines „Arbeitseinsatzes“ sind erstaunt, wie viel Spaß ihnen das macht:

„Die Wertschätzung Mehr: Zitat einer SoLawi-Teilnehmerinfür das Essen ist eine ganz andere, wenn Du weißt, diesen Salat habe ich gepflanzt und bei den Rüben das Unkraut gejätet.“

Eines haben alle SoLawi-Höfe gemeinsam: Beide Seiten – der Landwirt und die beteiligten Privat-Haushalte – übernehmen Verantwortung für den Hof.

„Ich bin [schon Mehr: Zitat eines beteiligten Gärtnerssehr begeistert] von dem Modell weil es [einfach] viel mehr ermöglicht. Wir brauchen uns keine Gedanken zu machen: Kann ich das jetzt auf dem Markt verkaufen, krieg ich genug Ertrag von dieser Sorte. Wir können idealistischen Anbau machen, [und werden] von den Mitgliedern […] in diesem Vorhaben unterstützt.“

Vorteile durch gemeinsame Verantwortung von Landwirten und Dir

Solidarische Landwirtschaft, Obst, Gemüse, Ökologische Landwirtschaft, Bauernhof

Solidarische Landwirtschaft funktioniert nur gemeinsam.

Warum unterstützen Menschen die SoLawi? Eine TeilnehmerinMehr: Kurzfilm über die SoLawi-Gemeinschaft Mannheim – Ludwigshafen schildert ihre Motivation:

„Ich hab […] angefangen mich bei der SoLawi zu engagieren […] weil ich […] wissen wollte wo unser Gemüse herkommt. Immer in Supermärkten einzukaufen ist einfach nicht mehr mein Ding. Ich möchte auf Plastik ein bisschen verzichten. Ich möchte die großen Lieferwege vermeiden die unser Gemüse jeden Tag hinter sich bringen muss und deswegen möchte ich regional bleiben. Bei einem richtigen Bauern, den ich kennenlerne und mit dem ich zusammen arbeiten kann. Der mir zeigt, wo er sein Gemüse anbaut.“

Vorteile Mehr: Bericht von lebendigeerde.defür Landwirte: 

  • Finanzielle Sicherheit: Auch Missernten werden gemeinsam getragen
  • Vermarktung entfällt aufgrund garantierter Abnahmemengen
  • Kann „idealistischen“ Anbau machen und nachhaltig wirtschaften
  • Optimale Verwertung der erzeugten Produkte: Auch „krumme Gurken“ kommen bei den Kunden an, nichts wird weggeworfen.
  • Persönlicher Kontakt zu den Kunden

Vorteile für Privat-Haushalte:

  • Herkunft der Nahrungsmittel ist transparent
  • Qualitativ hochwertige Lebensmittel
  • Höfe können aktiv mitgestaltet werden
  • Persönlicher Kontakt zum Landwirt
  • Beitrag zur nachhaltigeren Lebensweise und ökologischen Landwirtschaft

Grundvoraussetzung: Gegenseitiges Vertrauen

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Kinder lernen von klein auf, was Landwirtschaft ist.

Das Herz der SoLawi ist die Gemeinschaft:Mehr: Kurzfilm über den ersten deutschen SoLawi-Hof Haushalte und Landwirte bzw. Gärtner arbeiten gemeinsam, um die Nahrungsmittelproduktion zu finanzieren.

SoLawi funktioniert nur mit gegenseitigem Vertrauen: Die beteiligten Privat-Haushalte und Landwirte sind darauf angewiesen, dass jedes Mitglied seinen Beitrag leistet – nur so ist eine langfristige Planung möglich.

Weltweites Erfolgs-Rezept: 1/4 japanischer Haushalte beteiligt

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Besuch in einem „Teikei“

Die SoLawi-Idee stammt aus Japan: In den späten 1960er und frühen 1970ernMehr: Artikel im morgenweb wuchs die Bewegung aufgrund zunehmender Umweltprobleme und damit verbundenen Zweifeln an der Lebensmittelqualität.

Heute sind dort ca. 1/4 aller Haushalte an einem sogenannten „Teikei“ (deutsch: Partnerschaft) beteiligt.

In den USA begann Mitte der 1980er Jahre ein ähnlicher Trend: Die „Community Supported Agriculture“ (CSA) (deutsch: Durch die Gemeinschaft unterstützte Landwirtschaft, d.h. SoLawi). Mittlerweile gibt es ca. 1.500 CSA-Gruppen.

Weltweit gibt es ähnliche Bewegungen,Schweiz: Les jardins de Cocagne
Frankreich: “Association pour le maintien de l’agriculture paysanne”, AMAP
Belgien: Groupe d’Achat Solidaire de l’Agriculture Paysanne, GASAP
Italien: Gruppi di Acquisto Solidale, GAS
Quebec: Agriculture soutenue par la communauté, ASC
Portugal: Reciproco
Norwegen: Andelslandbruk
 die alle der gleichen Idee entstammen: Privat-Haushalte nehmen einem Landwirt eine feste Menge an Lebensmitteln ab.

Das internationale Netzwerk „urgenci“ vereint alle Initiativen.

Aktiv werden …

Wie kann ich bei der SoLawi mitmachen?

Das hängt davon ab, ob es bei Dir in der Nähe bereits einen SoLawi-Hof gibt oder nicht:

1.) Es gibt schon einen SoLawi-Hof?

Dann kannst Du direkt Kontakt aufnehmen!

Frag einfach nach, ob der Hof aktuell einen freien Platz hat. Einige Höfe bieten 1 Probemonat an. Ansonsten musst Du Dich meist für 1 Jahr verpflichten, einen bestimmten Betrag (monatlich, viertel- oder halbjährlich) zu zahlen.

Die Lebensmittel – je nachdem welchen Anteil du wählst – kannst Du wöchentlich abholen, entweder direkt am Hof oder an einer Verteilerstelle.

2.) Es gibt noch keinen Hof, aber eine Initiative, die einen gründen möchte?

Dann kannst Du Dich dieser einfach anschließen.

3.) Es gibt bisher weder Hof noch Initiative in Deiner Umgebung?

Dann kannst Du Deine eigene Initiative – vielleicht mit Familie oder Freunden – starten. Damit der Einstieg leichter gelingt, hat der Solidarische Landwirtschaft e.V. gesammelte Erfahrungen und Tipps in einem 15-teiliges Starterpaket zusammengestellt, Du kannst es auf der Homepage des Vereins für ca. 100 € bestellen.

4.) Du willst erstmal ausprobieren, wie es sich anfühlt regelmäßig Bio-Lebensmittel von einem Landwirt zu bekommen?

Dann kannst Du mit einer Bio-Obst- und/oder Gemüse-Kiste starten. Bei den meisten Anbietern gibt es weitere Lebensmittel (z.B. Brot und Milch-Produkte), die Du dazu bestellen kannst.

Um ein passendes Angebot zu finden, such im Internet nach „Gemüsekiste + Deine Stadt (z.B. Münster)“. In den meisten Städten gibt es mittlerweile mindestens 1 Angebot.

Weitere Informationen zum Thema SoLawi:

Veröffentlicht und Stand der Recherche.
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