Chili und Knoblauch: Vom Gewürz zum umweltfreundlichen Pestizid
Chili & Knoblauch statt Monsanto duenger

Bhutan will 100 % Öko-Landwirtschaft:
Chili & Knoblauch statt künstlicher Pestizide

07.11.2014
Quellen:
Ministerium für Landwirtschaft
und Forsten Bhutan
Ist es möglich, dass ein ganzes Land rein ökologisch produziert?
Der Staat Bhutan plant eine Umstellung bis 2020: Chili-Mix
statt Pestizide und optimierte Verfahren für den Reis-Anbau.


Der asiatische Bergstaat Bhutan will eine Vorreiterrolle in der ökologischen Landwirtschaft übernehmen: 2020 will das Land der 1. Staat weltweit mit
100 % ökologischer Landwirtschaft werden.

Entwicklungsland mit Vorreiterrolle

In Bhutan leben rund 740.000 Menschen auf einer Fläche der Größe Baden-Württembergs.Laut Auswärtigem Amt leben in Bhutan ca. 741.800 Menschen auf einer Fläche von ca. 38.4 km².

Erst ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts öffnete sich das Land der Außenwelt. 1999 führte Bhutan als weltweit letzte Nation FernsehenArtikel über Bhutan im Guardian (englisch) ein,
erst 2008 fand die 1. demokratische Wahl statt.

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Das Köningreich Bhutan liegt im Süden Asiens.

100 % Öko-Landwirtschaft:
Ministerium startet Bio-Programm

2002 begannen erste Überlegungen zur Umstellung auf eine reine Öko-Landwirtschaft. 2007 wurde das Bio-Programm vom Ministerium für Landwirtschaft und Wälder in Bhutan ausformuliertRede der nationalen Koordinatorin für das Bio-Programm von 2014 (englisch, 35 min) und 2013 beim Nachhaltigkeitsgipfel in Delhi vorgestellt.

Parallel zur Einführung des Öko-Programms entwickelt sich das Land auch gesellschaftlich in eine positive Richtung: In 5 JahrenVon 2007 bis 2012 hat sich der Anteil von 23,2 % auf 12 % verringert. konnte beispielsweise die Zahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze halbiert werden.

Keine Pestizide:
Chili gegen Schädlinge

Bhutan ist keine Industrienation – das hilft bei der Öko-Umstellung: Die bisher genutzten, traditionellen Anbaumethoden ähneln den Standards ökologischer Landwirtschaft.

Zur Schädlingsabwehr wird u.a. ein ExtraktDer für die Schärfe der Chilis verantwortliche Stoff Capsaicin wirkt gegen Schädlinge. Capsaicin wird von der Chilipflanze als natürlicher Abwehrmechanismus gegen Pilzbefall produziert. Der in Bhutan genutzte Extrakt wurde in seiner spezifischen Zusammensetzung jedoch noch nicht wissenschaftlich getestet.

Obwohl der Chili-Mix – im Gegensatz zu Pestiziden – Boden, Wasser und Luft schont, kann die natürliche Abwehr gegen Schädlinge Nebenwirkungen haben: Einige Bestandteile scheinen giftig für Honigbienen und andere Nutzinsekten zu sein.
aus Chili, Knoblauch, Zwiebeln und Pfeffer genutzt. Nur wenn Ernte und Nahrungsmittelversorgung akut gefährdet sind, soll auf künstlich hergestellte Düngemittel zurückgegriffen werden. Aufgrund der hohen Beschaffungskosten setzen die meisten Bauern in Bhutan keine künstlich hergestellten Pestizide ein.In Bhutan gibt es keine Hersteller für Pestizide. Sie müssen durch das Ministerium importiert werden.

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Der in Chilis enthaltene Stoff Capsaicin wirkt gegen Schädlinge.

Weniger Saatgut,
höherer Reisertrag

Eine weitere Maßnahme auf dem Weg zur 100 % Öko-Landwirtschaft ist der Reisanbau nach dem sogenannten SRI-Prinzip: Anleitung für SRI der Universität von Bhutan (englisch) dem „System of Rice Intensification“ (deutsch: „System der Reisintensivierung“).

Das Prinzip beruht auf 3 Maßnahmen:

1.) Höherer Pflanzenabstand

2.) Optimierte(s) Bewässerungszeiten und -system

3.) Organische Düngemittel

So können folgende Erfolge erziehlt werden:

  • 25 % – 50 % weniger Wasser
  • 80 % – 90 % weniger Saatgut
  • 20 % – 50 % mehr Erträge
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Landwirtschaft in Bhutan

Ziel: Selbstversorgung
& Export in Nachbarländer

Im Zuge der Umstellung will sich das Land in Zukunft außerdem selbst versorgen: 2010 warenBericht zum landwirtschaftlichen Handel Bhutans (englisch) 2/3 der Agrarimporte Reis. Rund die Hälfte der Lebensmittel der Bhutaner wurden importiert.

Darüber hinaus sollen zertifizierte Bio-Produkte zu den asiatischen Nachbarn exportiert werden – um dort die erhöhte Nachfrage zu stillen.

Bisher gab es in Bhutan keine festgelegten Öko-Standards, die mit dem europäischen Bio-Siegel oder den Standards von Anbauverbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland vergleichbar wären. Das soll sich jetzt ändern:

Das Bhutan Organic Certification System (BOCS, deutsch: Bhutan Bio-Zertifizierungs-System) soll u.a. Herkunft und Qualität der landwirtschaftlichen Produkte dokumentieren.Im Zertifizierungs-System sollen die Farmer alle landwirtschaftlichen Aktivitäten protokollieren. Die Kontrolle erfolgt durch ausgebildete Inspektoren.

Herausforderungen:
Straßenbau & Umweltschutz vereinbaren

Neben der Einführung des Zertifizierungs-Systems kommen weitere Herausforderungen auf das Land zu: Zusätzliche Autos und andere Transport-Fahrzeuge benötigen Straßen.

Wenn das wirtschaftliche Wachstum wie geplant zunimmt, ist ein Ausbau der InfrastrukturZur Infrastruktur gehören alle materiellen und institutionellen Einrichtungen, die das Funktionieren einer Volkswirtschaft fördern. Dazu gehört die technische Infrastruktur (z.B. Energieversorgung, öffentlicher Verkehr und Rundfunk), sowie die soziale Infrastruktur (z.B. Bildungssystem, Gesundheitssystem und kulturelle Einrichtungen). notwendig.

Das steht möglicherweise im Konflikt mit BhutansBhutans Verfassung (englisch) Gesetz: Dort ist der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt vorgeschrieben.

Glück als Staatsziel

Die Umstellung auf eine rein ökologische Landwirtschaft ist Teil von Bhutans besonderer Philosophie: Die Steigerung Video zur Idee des Bruttonationalglücks (englisch, 3:30 min)des Bruttonationalglücks, gemessen über den Gross National Happiness Index (GNH) (deutsch: Bruttonationalglück-Index).

Das Bruttonationalglück wird über 9 FaktorenAnleitung zum Bruttonationalglück-Index (englisch) gemessen:

  • Psychologisches Wohlergehen
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Kultur
  • Zeiteinteilung (Arbeit, Freizeit und Schlaf)
  • Gute Regierung
  • Gemeinschaftsleben
  • Ökologische Vielfalt und Widerstandskraft
  • Lebensstandards
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Taktshang-Kloster im Königreich Bhutan – auf über 3.000 m Höhe

Damit unterscheidet sich Bhutan in einem weiteren Faktor vom Rest der Welt: Seit den 80er Jahren nutzt das Land statt des Bruttoinlandsprodukts (BIP) das Bruttonationalglück zur Wohlstands-Messung. Eingeführt vomAnalyse des Systems in Bhutan damaligen König Bhutans sollte so Bhutans einzigartige Kultur und die buddhistischen Werte zum Ausdruck gebracht werden.

Das BIPDefinition des BIPs der Bundeszentrale für politische Bildung basiert ausschließlich auf wirtschaftlichen Zahlen: Gemessen wird der Wert aller Güter (Waren und Dienstleistungen), die innerhalb eines Landes in einem Jahr erwirtschaftet wurden.

Schon 2015 rein ökologisch?
Indischer Bundesstaat Sikkim

Auch Sikkim – Indiens kleinster BundesstaatIn Sikkim leben rund 600.000 Einwohner auf einer Fläche von knapp 7.100 km² – das entspricht 1/5 der Größe Bhutans. und Nachbar von Bhutan – plant eine rein ökologische Lebensmittelproduktion. Bis 2015 will Bhutans direkter Nachbar „Bio“ werden.

Weitere Staaten wollen folgen – sie fördern bereits jetzt den Anbau ökologischer Lebensmittel.Dazu gehören die beiden indischen Staaten Nagaland und Mizoram. Die Umstellung inklusive Zertifizierung sind – genau wie in Bhutan – in einem Entwicklungsland mit besonderen Schwierigkeiten verbunden: Dazu gehöhren die Kontrolle von Zertifizierungen, sowie die Beschaffung von Geldern für die Ausbildung und Ressourcen. Die indische Zeitung The Statesmen berichtete im Sommer 2014 über konkrete Probleme.

Über die weiteren Entwicklungen in Bhutan und Indien werden wir berichten.

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Chili & Knoblauch statt künstlicher Pestizide
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