Niedersachsens Lege-Hennen dürfen ihre Schnäbel ab 2017 behalten.
flickr: dogwatcher

Wir essen Eier von Hühnern mit gekürzten Schnäbeln:
Niedersachsen wird nun zum Vorbild ...

02.11.2014
Quellen:
Ministerium für Landwirtschaft
Niedersachsen
In der Massentierhaltung von Legehennen werden Küken bisher oft
die Schnäbel gekürzt. 39 % unserer Eier kommen aus
Niedersachsen. Das Verbot ab 2017 zeigt bereits Signalwirkung.


Als größter Legehennen-Halter Deutschlands hat Niedersachsen Artikel im Landwirtschafts-Portal Proplantadas Schnabelkürzen bei Küken zum 31.12.2016 verboten.

Dies geschah per Erlass durch den Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) im Rahmen des TierschutzplanesDer Tierschutzplan Niedersachsen wurde 2011 ins Leben gerufen. Das Ziel: Gesellschaftlich akzeptierte und für Tierhalter leistbare Haltungsbedingungen zu etablieren. von Niedersaschen.

Mecklenburg-Vorpommern stellt das Schnabelkürzen ebenfalls Ende 2016 ein. Mitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft Niedersachsen

Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern folgen damit Österreich und Dänemark. In Österreich wird die Schnabelkürzung bereits seit 2005 nur noch in Einzelfällen durchgeführt.2012 wurden nur in einer der 1.174 beobachteten Herden Schnabelkürzungen durchgeführt.

Das Verbot in Österreich wurde gemeinsam mit weiteren Optimierungsmaßnahmen eingeführt, z.B. einer verbesserten Fütterung und Haltung. Gemeinsam sorgten diese Änderungen für weniger Kannibalismus (das Anpicken und Fressen von Körperteilen anderer Artgenossen): Vor der Einführung Bericht des Instituts für Tierhaltung der Universität Wien (download) des Verbots lag der Prozentsatz der Herden mit Kannibalismus bei 9 % – 2012 waren es nur noch 1,1 %.

Warum werden die Schnäbel gekürzt?

In der Massentierhaltung leben Legehennen auf engem Raum und können ihre natürlichen Bedürfnisse nicht oder nur eingeschränkt ausleben: Dazu gehören ausreichend Platz zum Futtersuchen, die Gefiederpflege und genug Brutmöglichkeiten. Ebenso kommt es durch die hohe Gruppengröße zu Rangordnungskämpfen.

Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus sind nicht selten. Ohne gekürzte Schnäbel kann dies zu Verletzungen bis hin zum Tod einzelner Tiere führen.

Verschiedene Haltungsformen im Überblick:

 
Kleingruppen-/Käfighaltung
Bodenhaltung
Freilandhaltung
Bio-Haltung
vorgeschriebene Fläche1max. 11 Hennen pro m² (800 - 900 cm² pro Henne)max. 9 Hennen pro m²Anforderungen für Bodenhaltung + 4 m² Auslauf pro Hennemax. 6 Hennen pro m² + 4 m² Auslauf pro Henne
Herdengröße20 - 60 Hennen pro Käfig/Herdemax. 6.000 Hennenmax. 6.000 Hennenmax. 3.000 Hennen
%-Anteil
(Stand: 2014)
11,5 %64,4 %15,7 %8,4 %
SchnabelkürzungJaJaJaNein

Die Kleingruppenhaltung ersetzt die 2010 verbotene Käfighaltung, auch bekannt als Legebatterie. Für die Kleingruppenhaltung ist ein Verbot für 2023 geplant.

Frische Eier aus Kleingruppenhaltung sind mittlerweile sehr selten im Handel zu finden. Der Großteil dieser Eier steckt in verarbeiteten Industrie- und Gastronomie-Produkten, z.B. Frischei-Nudeln. Auf den Verpackungen oder Speisekarten muss die Haltungsform nicht ausgewiesen werden.

Schmerzhafte Prozedur:
Wie geht Schnabelkürzen?

Männliche Küken legen keine Eier und werden deshalb mehrheitlich direkt nach dem Schlüpfen getötet.Weitere Positive News zum Thema:
Männlicher Nachwuchs unerwünscht:
Bruderhahn rettet männliche Küken vor dem Schreddern

Den weiblichen Küken, die als Legehennen für unsere Eier sorgen, wird nach dem Schlüpfen der Schnabel ohne Betäubung gekürzt.

Um das Schnabelkürzen zu beschleunigen,Infoseite zur Schnabelkürzung des Vereins aktion tier werden die Küken oft auf einem Fließband zu einer Maschine transportiert. Dort werden sie festgebunden. Die Schnabelspitzen werden mit einer heißen Klinge oder mit einem Laser gekürzt.

Der Schnabel der Küken ist mit Nerven durchzogen, die während des Kürzens durchtrennt werden. Das ist schmerzhaft.

Gut beschützt: Küken auf der Wiese

2 weitere Folgen:

  • Verringerte Futteraufnahme: Küken können ihren Schnabel in den Wochen nach der Beschneidung nicht vollständig nutzen.
  • Verlust des wichtigsten Tastorgans: Der Schnabel von Hühnern ist vergleichbar mit unseren Fingerspitzen.

Eigentlich gesetzlich verboten
– nur in Ausnahmen erlaubt

Aus rechtlicher Sicht handelt es sich beim Schnabelkürzen um eine Amputation. Tierschutzgesetz § 6, Artikel 1Diese sind laut Tierschutzgesetz verboten. Zum Schutz eines oder anderer Tiere kann eine Sonderregelung beantragt werden. Diese wird heute in der Massentierhaltung bei Legehennen zum Regelfall.

Verbot zeigt Signalwirkung:
Einzelhandel & KAT für bundesweites Verbot

Nach der Entscheidung der 2 Bundesländer verbietet auch die Organisation KAT (Verein für kontrollierte alternative Haltungsformen) ab 2017 die Schnabelkürzung.

Logo der Organisation KAT.

KAT zertifiziert Bodenhaltungs-, Freilandhaltungs- und Bio-Betriebe, die Eier an große Supermarktketten liefern. Das Verbot gilt für alle KAT-zertifizierten Unternehmen und betrifft damit 70 Millionen Hennen in 5.000 Ställen.

Die KAT-Standards liegen über den in der Gegenüberstellung KAT- & EU-Standards EU festgelegten Anforderungen zur Legehennenhaltung.

Geflügelwirtschaft gegen Verbot der Schnabelkürzung
– Versuch bestätigt Herausforderung

Die niedersächsische Geflügelwirtschaft sieht das Verbot der Schnabelkürzungen kritisch. Der Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke Artikel in der NOZ spricht davon, dass es bisher noch keine verlässliche Lösung für Deutschland gäbe, um Federpicken und Kannibalismus ohne Schnabelkürzung zu verhindern.

Als einzige mögliche Lösung sieht er bislang die vollständige Verdunklung der Ställe. Dies widerspricht jedoch dem deutschen Gesetz.

Ein Testversuch des KAT-zertifizierten Hofes Vriesen in Bocholt zeigt: Der Ausstieg aus der Schnabelkürzung braucht Zeit.

25.000 Bodenhaltungs-Hennen wurde dort der Schnabel nicht gekürzt – der Versuch wurde abgebrochen, aufgrund massiver Verletzungen der Tiere untereinander.

Der Verlust an Tieren lag bei 30 % Artikel aus dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt – in der Kontrollgruppe mit gekürztem Schnabel bei nur 5 %.

Ist Bodenhaltung überhaupt ohne Schnabelkürzen möglich?

Bio-Hühnern wird der Schnabel nicht gekürzt. Sie haben im Gegensatz zu Bodenhaltungshühnern deutlich mehr Platz.Weitere Positive News zum Thema:
Klare Kriterien zur artgerechten Tierhaltung festgelegt:
Leitfaden Tierwohl für ökologische Landwirtschaft

Albert Schweitzer Stiftung fordert Verbot seit 2010

Die Albert Schweitzer Stiftung spricht sich seit 2010 für ein Verbot des Schnabelkürzens aus und fordert gleichzeitig eine Verbesserung der Haltungsbedingungen.Dazu entwickelte die Organisation ein Positionspapier, das – vor dem Erlass des Verbotes – an Entscheidungsträger (u.a. große Supermarktketten und den KAT) versandt wurde. Im Positionspapier sind ebenfalls die Erfahrungen Österreichs enthalten. Dazu sprach die Stiftung mit Verantwortlichen vor Ort.

Durch den Beschluss des Landwirtschaftsministers Meyer rechnet die Albert Schweitzer Stiftung mit Mehrkosten von 4 ct pro Ei Bericht zum Verbot der Schnabelkürzung – durch z.B. mehr Bewegungsfreiheit für die Legehennen und ein intensiveres Stallmanagement.

Damit Hühner auf größerer Fläche leben können, erhöht sich automatisch der Preis pro Ei. Der Verbraucher muss bereit sein, diesen zu zahlen.

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