Düngung mit Stallmist: Vom Feld ins Grundwasser
Traktor, Nitrat, Grundwasser, Ammoniak, Misthaufen, Gülle, Artensterben

Kuhmist im Grundwasser (Nitrat) steigt:
– EU kritisiert drohende Umweltfolgen

04.11.2014
Quelle:
Umweltbundesamt
Pflanzen brauchen Nitrat zum Wachsen – durch Massentierhaltung
und Biogas-Anlagen gibt es mehr Nitrat, als Böden aufnehmen
können. Überschüssige Reste gelangen in Böden und Grundwasser.


Ca. 50 % unseres Grundwassers Nitratbericht der Bundesregierung sind nicht mehr für den menschlichen Gebrauch geeignet – bevor die Nutzung als Trinkwasser möglich ist, muss es aufwendig gereinigt werden.

Das Problem: Seit rund 10 Jahren gelangt immer mehr Nitrat ins Grundwasser. Dabei galt das Nitrat-Problem eigentlich als gelöst:
Von 1985 – 2005 sank der Nitratanteil noch.

Wasserwerke entfernen Nitrat nicht,
sie verdünnen es

Um das Wasser vollständig vom Nitrat zu reinigen sind spezielle Verfahren nötig: Einige Bakterien können es in ungefährlichen, inaktiven Stickstoff umwandeln. Diese werden in Kläranlagen zur biologischen Abwasserreinigung genutzt.

Das in den Kläranlagen aufbereitete Wasser wird anschließend in Flüsse und Seen geleitet.

Im Laufe mehrerer Jahre kommt dieses Wasser im Boden an. Dort sickert es durch mehrere Bodenschichten, die es reinigen – bevor es im Grundwasser angelangt.

Ca. 75 % unseres Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gewonnen. Unsere Wasserwerke nutzen die bakteriellen Verfahren in der Regel nicht:
Sie sind zu teuer.

Um nitratarmes Wasser möglichst günstig bereitzustellen, wird nitratfreies Wasser aus unbelasteten Orten hinzugekauft. Das Nitrat wird also verdünnt – nicht entfernt.

Nur Trinkwasser aus Flüssen und Seen (ohne Grundwasser-Anteil) wird aufbereitet. Würden die bakteriellen Verfahren für das Grundwasser genutzt, würde jeder Liter (L) Trinkwasser in Deutschland 40 ct Nachschlagewerk zur Wasseraufbereitung mehr kosten.

Durchschnitts-Nitratgehalt im Grundwasser von 2008 – 2010

Nitratwerte verstoßen gegen EU-Recht:
Norddeutschland am stärksten belastet

Die hohen Nitratwerte im deutschen Grundwasser verstoßen gegen geltendes EU-Recht. Nitrat-Richtlinie der EU Auch wenn bisher noch keine Maßnahmen gegen Deutschland eingeleitet wurden, könnte das Problem vor dem Europäischen Gerichtshof landen.

Vor allem der Norden Deutschlands hat hohe Nitratwerte im Grundwasser: Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein gehörten 2010Die aktuellsten Daten stammen von 2010. Die Ergebnisse der aktuellen Messungen vom Jahr 2014 werden erst 2015/2016 öffentlich zugänglich sein.
zu den am stärksten belasteten Regionen.

Nitrat im Grundwasser deutschlandweit

Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland

In Niedersachsen ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche ca. doppelt so groß wie in dem Bundesland mit dem „saubersten“ Grundwasser: Brandenburg.

NRW liegt im Mittelfeld, vor allem das Grundwasser im Raum Münster und Düsseldorf ist belastet.

Nitrat im eigenen Trinkwasser:
Stadtwerke müssen Dir Auskunft geben

Erfrischung an einem Trinkbrunnen in München

Du willst den Nitratgehalt Deines Trinkwassers wissen? Die Stadtwerke müssen Dir Auskunft geben. Die Wasserwerke, die Wasser zu Trinkwasser aufbereiten, sind verpflichtet, den Nitratgehalt unter 50 mg/L zu halten.

Handelsübliche Trinkwasserfilter können das Nitrat nicht aus dem Trinkwasser herausfiltern. Für Haushalte mit einem eigenen Brunnen gibt es spezielle Nitratfilter, die verpflichtend eingebaut werden müssen. Häufige Fragen zur Nitratentfernung

Massentierhaltung und Biogas-Anlagen
sind größte Nitratquellen

1.) Massentierhaltung
Durch die Massentierhaltung wird viel nitrathaltige GülleIn Gülle befindet sich neben Nitrat viel Ammonium. Ammonium wird im Boden in Nitrat umgewandelt. Darum wird der Begriff „nitrathaltige Gülle“ verwendet. produziert: Jedes Jahr fallen allein in Deutschland ca. 160 Millionen Kubikmeter Artikel in der Zeit an.

2.) Biogas-Anlagen
Für Biogas-Anlagen wird häufig Mais angebaut – er benötigt viele Nährstoffe um zu wachsen und muss oft gedüngt werden. Viel Dünger bedeutet gleichzeitig viel Nitrat.

Ist der Mais ausgewachsen, wird er geerntet und direkt in die Biogas-Anlagen eingespeist. Dort entsteht durch Vergärung Methangas, das zum Heizen genutzt werden kann.

Das Nitrat, das sich in den Gärstoffen befindet, bleibt zurück. Die entstehenden Gärreste können daher sehr hohe Nitrat-Konzentrationen enthalten. Sie werden in der Regel auf Feldern entsorgt.

Umweltfolgen durch zu hohe Nitratwerte:
Fischsterben, Artenverlust & saure Böden

 

Nitrat ist eine Form aktiven Stickstoffs.Chemisch kann zwischen aktivem und inaktivem Stickstoff unterschieden werden. Luft besteht z.B. zu 78 % aus inaktivem Stickstoff. Er hat keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt.
Aktiver Stickstoff gelangt z.B. in Form von Nitrat, Ammonium oder Lachgas in die Umwelt. Diese Stoffe sind u.a. in Düngemitteln, Gärresten und Autoabgasen enthalten: Sie führen z.B. zu hohen Nitratbelastungen. Ist Stickstoff einmal aktiv, kann er große Umweltschäden anrichten.
Die Menge des aktiven Stickstoffs (z.B. als Nitrat und Ammoniak in Gülle), der zwar auf die Felder gefahren wird, aber nicht von Pflanzen aufgenommenPflanzen ziehen Stickstoff aus dem Boden. Er ist für sie ein lebensnotwendiger Nährstoff, mit dem sie Eiweiße entwickeln können. Sind die „Eiweißtanks“ voll, wird noch unverändertes Nitrat eingelagert, das für die Pflanzen nicht nutzbar ist. Wenn dann immer noch Nitrat im Boden ist, kann es nicht mehr aufgenommen werden und wird ausgewaschen. werden kann, wird als Stickstoffüberschuss bezeichnet. Mitteilung des Umweltbundesamtes (UBA)

Dieser lag 2010 in Deutschland bei durchschnittlich 96 kg/Hektar (ha): 96 kg aktiver Stickstoff landete auf den Feldern ohne von den Pflanzen aufgenommen werden zu können.

Das kann Folgen für die Umwelt haben:

1.) Massensterben von Fischen

Auch die sehr robusten Karpfenfische können zu hohe Nitratwerte und deren Folgen nicht immer überleben.

Durch hohe Nitratwerte steigt das Algenwachstum in Seen, Teichen und Meeren. Für den biologischen Abbau dieser Algen wird viel Sauerstoff benötigt, der dem Wasser entzogen wird: Fische können ersticken.

2.) Verlust der Artenvielfalt

Nitrat ist ein Pflanzennährstoff. Aber nicht alle Pflanzen Liste der durch zu hohen Nitrateintrag bedrohten Pflanzen von Robin Wood können große Mengen davon aufnehmen. Sie brauchen nur wenig Nitrat.

Heidepflanzen sind z.B. auf nährstoffarme Böden und Gewässer angewiesen. Durch den wachsenden Nitratüberschuss gehen Standorte mit nährstoffarmen Böden zurück und die dort heimischen Pflanzen werden verdrängt:

Inzwischen sind 404 ArtenBroschüre vom UBA von Farn- und Blütenpflanzen durch die Stickstoff-Belastung gefährdet.

Die Schmetterlingsfamilie der Bläulinge gehört zu den Arten, deren Lebensräume durch zu viel Nitrat gefährdet sind.

Auch Tiere leiden unter hohen Stickstoff-Werten: Die Raupen einiger Schmetterlingsarten, z.B. von Bläulingen, ernähren sich von wenigen, im Extremfall von nur einer Pflanze. Viele der bevorzugten Bläulings-Pflanzen wachsen ausschließlich auf nährstoffarmen Böden.

BestäuberinsektenDas sind Bienen, Fliegen, Hummeln und Schmetterlinge. sind auf verschiedene Blütenpflanzen angewiesen – wachsen stattdessen Gras und Brennnesseln, wird ihnen die Lebensgrundlage entzogen.

3.) Böden versauern

Regenwürmer können in sauren Böden nicht überleben.

Durch große Mengen aktiven Stickstoffs, Infografik vom WWF der u.a. als Nitrat auftreten kann, können Böden versauern.Wenn ein Boden versauert, kann er den natürlichen und menschlichen Säureeintrag über sauren Regen, Ausscheidungen von Bodenorganismen und Verkehr nicht mehr neutralisieren.
Der pH-Wert des Bodens sinkt. Pflanzen, die einen hohen pH-Wert im Boden brauchen, z.B. Rose und Ahorn, wachsen schlechter.
Stickstoffdünger beschleunigen diesen Vorgang, da sie neben Nitrat viel Ammonium enthalten.

Ammonium kann auch von Pflanzen aufgenommen und zu Eiweißen verarbeitet werden. Aufgrund seines chemischen Aufbaus verstärkt es aber die Versauerung von Böden.

Einige Bodenlebewesen können in sauren Böden nicht überleben und viele Pflanzenarten wachsen schlechter.

Außerdem werden vorher im Boden gebundene SchwermetalleSchwermetalle sind eine Stoffgruppe, die hauptsächlich aus giftigen oder umweltgefährlichen Metallen besteht. Dazu gehören u.a. Kupfer, Nickel, Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen. durch die Versauerung aus dem Boden gelöst, gelangen ins Trinkwasser und die Nahrungskette.

Nitrate im menschlichen Körper:
In zu hoher Menge gesundheitsschädlich

Im menschlichen Körper kann Nitrat in Nitrit umgewandelt werden – ein giftiger Stoff, der bei Säuglingen die Sauerstoffaufnahme im Blut behindern kann.

Außerdem kann Nitrit in sogenannte Nitrosamine umgewandelt werden – krebserregende Substanzen. Informationen vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Darum ist der Grenzwert für Stickstoff im Trinkwasser auf 50 mg/L beschränkt.

Düngemittelverordnung begrenzt Gülle,
aber keine Gärreste – Änderung ist geplant

Die Düngermenge, die deutsche Landwirte auf ihre Felder fahren dürfen, wird durch die Düngemittelverordnung Düngemittelverordnung begrenzt – ein ähnliches Gesetz für Gärreste gibt es noch nicht.

Die Erweiterung der Düngemittelverordnung ist bis Ende 2014 geplant: Gärreste sollen mit in die Ausbringungs-Obergrenze für Stickstoff einbezogen werden. Dann dürften Sie nicht mehr uneingeschränkt auf die Felder gefahren werden. Pressemitteilung vom Deutschen Bundestag

Die Universität Hohenheim hat untersucht, welche Folgen diese Änderung für NRW hätte. Das Ergebnis: Es würden 29.000 ha Fläche (entspricht einer Fläche von mehr als 40.600 Fußballfeldern) fehlen, um die anfallenden Mengen aktiven Stickstoffs legal unterzubringen.

Die Wissenschaftler haben sich in ihren Berechnungen nur auf die Gärreste bezogen. Die zusätzlichen Düngermengen, die z.B. durch Klärschlämme oder Kompost anfallen, wurden nicht berücksichtigt. Die tatsächliche Fläche, die in Zukunft fehlen würde, wäre also noch größer.

Problematisch: Die meisten Gärreste aus Biogas-Anlagen fallen dort an, wo die meisten Nutztiere gehalten werden. Um die Düngemittelverordnung einzuhalten, müssen daher große Mengen Gülle und Gärreste auf Kosten der Landwirte in andere Bundesländer transportiert werden.

Aber: Wissenschaftler haben eine Strategie entwickelt, wie der Nitratausstoß halbiert werden kann. Wie?

Das erfährst Du in unserem Artikel „So kannst Du Deinen Nitratverbrauch verringern“.

 

Aktiv werden …

  • Petition gegen zunehmenden Gülle und Gärreste in der Eifel auf OpenPetition.org unterschreiben
  • Petition für strengere Kontrollen des Düngemittel-Einsatzes auf change.org unterschreiben
  • NDR-Doku über das Stickstoffproblem (ca. 7 min) schauen
  • ARD-Beitrag von defacto (ca. 6 min) schauen
Kuhmist im Grundwasser (Nitrat) steigt:
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