Junger Kiebitz
Arjan Haverkamp

Ökologische Landwirtschaft erhöht Artenvielfalt:
Rückkehr von Kiebitz, Wachtel & Rebhuhn

20.10.2014
Quelle:
Julius-Kühne-Institut
Feldvögel retten durch den Kauf von Bio-Gemüse?
Ökologische Landwirtschaft und brachliegende Flächen bieten mehr
Nahrung und Lebensraum – die Vogelbestände können sich erholen.


Um 50 % Bericht vom Landschaftspflegeverband (LPV) ist der Feldvogelbestand von 2002 – 2012 eingebrochen: Waren Kiebitz, Wachtel und Rebhuhn vor einigen Jahren noch häufig in Deutschland zu finden, sind sie jetzt eine Seltenheit. Feldvögel sind ein wichtiges Anzeichen dafür, wie nachhaltig eine Ackerfläche bewirtschaftet ist: Fehlen sie, ist der Umgang des Landwirts mit seiner Fläche nicht nachhaltig. Pressemitteilung vom JKI

Alarmiert durch diesen starken Rückgang, hat das Julius-Kühne-Institut
2013 eine Studie veröffentlicht, wie weitere Bestandsrückgänge bei den Feldvogelarten verhindert werden können.

2 Faktoren können den Feldvögeln helfen:
Öko-Landbau und stillliegende Feldflächen

In Deutschland wird überwiegend industrielle, intensive Landwirtschaft betrieben. Dazu gehören u.a. der zunehmende Anbau von Mais-Monokulturen für Biogasanlagen und die Massentierhaltung. In der ökologischen Landwirtschaft gibt es strengere Auflagen EU-Richtlinie zum Öko- und Bioanbau für den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse, als in der industriellen Landwirtschaft: Z.B. darf kein gentechnisch verändertes Saatgut genutzt werden und synthetische Pflanzenschutzmittel sind verboten.

Faktor 1: Stillliegende Flächen

Das wichtigste Element, das nach Angaben des Julius-Kühne-Instituts die Artenvielfalt im Landbau erhöht, sind stillliegende Ackerflächen. Bis 2008 waren Landwirte dazu verpflichtet, jedes Jahr 10 % ihrer Ackerflächen nicht
zu bewirtschaften, damit der Boden sich erholen konnte.

Auf diesen stillgelegten Flächen (Brachen) fanden viele Feldvögel gute Bedingungen, um zu brüten und ihren Nachwuchs aufzuziehen. Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geht die Menge stillgelegter FlächenSeit 2008 sind die Landwirte nicht mehr verpflichtet, 10 % ihrer Ackerflächen brach liegen zu lassen. Da mit dem EEG u.a. der Anbau von Silomais finanziell stark unterstützt wird, nutzen die Landwirte ihre Flächen lieber, anstatt sie weiterhin brach liegen zu lassen. stark zurück: Heute sind es weniger als 1 %.
Damit fallen die Nistplätze für viele Feldvogelarten weg.

agrar flaeche

Die Entwicklung des Feldvogelbestands seit 1991. Rot markierte Teile kennzeichnen Zeiträume, während derer es mehr stillgelegte Flächen gab.
Die Bestände erholten sich.

Faktor 2: Ökologische Landwirtschaft

In der ökologischen Landwirtschaft gibt es strengere Regeln für den Umgang mit Pestiziden als im herkömmlichen Ackerbau. Das kommt vielen Feldvogelarten entgegen: Durch den verringerten Pestizideinsatz gibt es mehr Insekten Studie zum Zusammenhang von Imidacloprid-Einsatz und Vogelbeständen (englisch) – und damit mehr Futter.Der direkte Zusammenhang von verringertem Pestizideinsatz und der Artenvielfalt auf den Ackerflächen ist umstritten: Es mangelt an Langzeitstudien. Neben den Ackerflächen spielt die Gestaltung und Umgebung der Felder eine große Rolle: Gibt es am Rand z.B. Hecken oder Bäume, wird die Artenvielfalt erhöht – unabhängig davon, ob es sich um industrielle oder ökologische Landwirtschaft handelt. Das liegt daran, dass so an den Ackerrändern mehr Lebensräume für Tiere vorhanden sind. Die Brachflächen spielen für die Artenvielfalt daher eine größere Rolle als der Pestizideinsatz.

Im Öko-Landbau spielt außerdem die Bodenpflege und Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit eine größere Rolle als im konventionellen Landbau. So sind Bio-Landwirte dazu verpflichtet, die Bodenfruchtbarkeit durch mehrjährige FruchtfolgenDie Fruchtfolge ist die zeitliche Abfolge von auf landwirtschaftlichen Flächen angebauten Nutzpflanzenarten. Dabei werden innerhalb eines Jahres mehrere verschiedene Pflanzen angebaut, um die Nährstoffe im Boden gleichmäßig auf- und abzubauen. Eine gut gestaltete Fruchtfolge kann außerdem den Befall mit Pflanzenkrankheiten und Schädlingen verringern. zu erhalten. Durch vielfältige Fruchtfolgen wird die Speisekarte von Feldvögeln erweitert. Außerdem stammen Düngemittel meist aus biologischer Erzeugung.

Maisanbau für Biogasanlagen:
Monokulturen gefährden Feldvögel

Die Zahl der Biogasanlagen steigt: Gab es 2001 noch 1.360 Anlagen, waren es 2012 bereits 7.521 – das entspricht einer Steigerung von über 500 %. Die Anlagen werden u.a. mit Mais, aber auch mit Gülle und altem Stroh betrieben.

Der Anbau von Silomais, der in Biogasanlagen eingespeist wird, wirkt sich nach den Erkenntnissen der Forscher negativ auf die Artenvielfalt aus.

In Mais-MonokulturenEine Monokultur bezeichnet den alleinigen oder hauptsächlichen Anbau von einer Pflanze über einen Zeitraum von 5 Jahren. Monokulturen sind problematisch, da durch den Anbau immer gleicher Pflanzen auch immer nur bestimmte Nährstoffe aufgenommen werden. Dadurch wird das Bodengleichgewicht gestört. Mais z.B. nimmt viel Nitrat auf, das dem Boden beim Anbau entzogen wird. Um Nitrat nachzuliefern, muss viel Dünger auf die Felder gefahren werden. Im Boden bilden sich außerdem Stoffe, die die Wurzeln angreifen. Dadurch wird es den Monokulturen erschwert, genug Nährstoffe aufzunehmen. Sogenanntes Unkraut – also unerwünschte Pflanzen – profitiert davon: Ihm stehen zusätzliche Nährstoffe zur Verfügung. Es kommt zu einem erhöhten Einsatz von Pestiziden. können Feldvögel nicht überleben: Wichtige Bearbeitungen der Äcker fallen genau in die Brutzeit. Hinzu kommt, dass Maisäcker im April und Mai mit Pflanzengiften gespritzt werden. Später werden die Maisäcker zusätzlich mit Pestiziden behandelt.

Durch die eingesetzten Mittel sterben Insekten und „unerwünschte“ Pflanzen ab: Den Feldvögeln wird die Nahrungsgrundlage entzogen.

Feldvögel durch Bio-Lebensmittel
& Gemüsekisten unterstützen

Durch den Einkauf von Bio-Lebensmitteln Informationen zu den Bio-Siegeln, NABU kannst Du Feldvögel und damit die heimische Artenvielfalt unterstützen. Diese Lebensmittel sind durch das deutscheDas deutsche Bio-Siegel und das EU-Biosiegel haben genau die gleichen Kriterien dafür, wann ein Produkt als „bio“ gekennzeichnet werden darf. Das EU-Siegel wurde eingeführt, damit es EU-weit dieselben Standards gibt. Da das EU-Siegel jedoch noch bei vielen Verbrauchern unbekannt ist, werden aktuell weiterhin beide Siegel auf deutschen Bio-Produkten abgedruckt. und das EU-Biosiegel gekennzeichnet.

Gemäß der EU-Bio-Verordnung sind Bio-Landwirte nicht verpflichtet, einen Teil ihres Ackerlandes stillliegen zulassen – sie setzen aber weniger Pflanzenschutzmittel ein: Die Verwendung von Kupfer Artikel vom JKI in Pflanzengiften ist z.B. im konventionellen Anbau weiter verbreitet als im ökologischen.

Höhere Anforderungen an die Landwirte stellen sogenannte Bio-Anbauverbände: Dazu gehören demeter und Bioland. In den demeter-Richtlinien Richtlinien von demeter sind z.B. 10 % „Biodiversitätsfläche“ vorgeschrieben. Bei Bioland und demeter müssen die verwendeten Zutaten außerdem zu 100 % aus Öko-Landbau stammen, beim EU-Siegel zu 95 %.

Die Produkte der Anbauverbände erkennst Du, neben den Bio-Siegeln, auch am Verbandslogo, z.B. von demeter oder Bioland.

Demeter-Siegel1
Bioland-Siegel2
EU-Bio-Siegel3
Deutsches Bio-Siegel4

Zum Schutz der Vögel und zur Vermeidung von Müll kannst Du Dir auch Bio-Gemüse- und Obstkisten nach Hause bestellen – häufig gibt es in den passenden Shops auch andere Lebensmittel. Suche im Internet einfach nach „Gemüsekiste + Deine Stadt (z. B. Münster)“ und informiere Dich über das Angebot in Deiner Umgebung.

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