Abdul kämpft für eine plastikfreie Welt.
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Familie Abdul Muqeet

Wie ein 13-Jähriger
unsere Welt von Plastik-Müll befreien will

24.09.2015
Quellen:
LizzyNet
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
13.000 Plastik-Teile schwimmen in jedem km2 unseres Ozeans.
Daran will Abdul etwas ändern & hatte eine Idee. Damit ist er der
jüngste Gewinner des Abu Dhabi Awards & hält Vorträge vor der UN …


Kurzfassung

  • Weltweit nimmt die Verschmutzung durch Plastik-Müll zu
  • Abdul Muqeet bastelte Papiertüten, um Plastiktüten zu ersetzen
  • Seine Idee findet weltweit immer mehr Nachahmer

Mehr und mehr Plastik-Müll ist in der Welt und wird es bis zu 1.000 Jahre bleiben – Plastik ist sehr schlecht biologisch abbaubar. Dagegen will Abdul Muqeet, ein 13-Jähriger in Abu Dhabi, etwas tun.

Der Schüler Dorian Bauschke hat ihn getroffen und im Zuge des GreenStories Wettbewerbs eine Reportage über sein Engagement gegen Plastiktüten geschrieben. Hier kannst Du sie lesen:

Abdul Muqeet: Porträt des jüngsten
Abu-Dhabi-Award-Gewinners

Abduls Engagement beginnt im Februar 2010, als in seiner Schule ein „plastikfreier“ Tag eingeführt wird. „Ich fragte mich, was denn an Plastik so schlimm sei. Als ich nach Hause kam, stellte ich meiner Mutter sofort diese Frage.“

„Wenn Plastik so schädlich ist,
warum benutzen wir es dann?“

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Pro Quadratkilometer 13.000 Plastik-Teile: Umwelt, Tiere und Menschen sind zunehmend von Plastik in den Weltmeeren bedroht.

Sie wusste gleich, worum es Abdul ging. So erzählt sie ihm von den Schäden, die Plastik weltweit anrichtet. Von den Tieren, die im Meer und an Land darunter leiden, vor allem, wenn sie Plastik fressen, das bis zu 1.000 Jahre braucht, um sich abzubauen. Sie erzählt ihm auch von der Plastik-Insel, die im Nordpazifik schwimmt und Schätzungen zufolge heute schon so groß wie Europa ist. Und dass pro Quadratkilometer über 13.000 Plastik-Teile im Ozean schwimmen.

Abdul ist verwundert. „Wenn Plastik so schädlich ist, warum benutzen wir es dann?“ Eine akzeptable Antwort darauf konnte er nicht finden. „Ich wollte den Leuten in meinem Umfeld davon erzählen, und sie darauf aufmerksam machen.“ „Am Anfang war es wirklich schwierig, fast niemand hat mir zugehört, die Leute hielten an ihren Standards fest. Ich dachte oft an Mahatma Ghandi, der sagte: „Zuerst werden sie dich ignorieren, dann werden sie dich auslachen und dann werden sie dir folgen.“

Im Wohnzimmer kommt
die Mukku-Tüte zur Welt

Eines Tages, als Abdul im Wohnzimmer seiner Eltern sitzt, fällt sein Blick auf die Zeitung, die sein Vater gerade gelesen hatte. Nach etwas Recherche im Internet ist es soweit, die erste Mukku-Tüte ist „geboren“.

Den nächsten Tag kann er kaum abwarten. Nach der letzten Unterrichtsstunde läuft er aufgeregt zu einem Papierwarenladen in seiner Nähe. Er fragt den Ladenbesitzer, ob dieser bereit wäre, seine selbst gebastelten Tüten anstelle der Plastiktüten an seine Kunden weiter zu geben. Der Mann, ebenfalls aus Indien, möchte einem kleinen Jungen seinen Wunsch nicht ausschlagen und stimmt zu. Bevor Abdul den kleinen Laden verlässt, dreht er sich um und kündigt an, er werde zurückkommen, sobald er mehr Tüten habe.

Im elterlichen Wohnzimmer entstanden die ersten plastikfreien Tüten.

Im elterlichen Wohnzimmer entstanden die ersten plastikfreien Tüten.

„Wenn dieser Junge so viel auslöst,
warum tue ich dann nichts?“

„Womit die Leute nicht gerechnet haben, war Abduls Bestehen auf das Versprechen“, verdeutlicht seine Mutter mit einem Kopfnicken. Abdul verteilt die Tüten regelmäßig an die kleinen Läden in seiner Nachbarschaft, in denen seine Mutter auch Einkaufen geht. Schon nach kurzer Zeit fragen die Menschen dort nach seinen Tüten. In seinem Wohnviertel ist er inzwischen zu einer kleinen Berühmtheit geworden.

Zum Einkaufen benutzt Abdul die Tüten aber selten: „Sie halten nicht viel Gewicht, also verwende ich sie nur für die kleineren Einkäufe. Für größere brauche ich Stoffbeutel.“ Er möchte Aufmerksamkeit wecken, weniger Plastik zu benutzen. Die Papiertüten sollen dazu beitragen. Auf jeder Papiertüte ist eine Botschaft und sie vermittelt dem Benutzer, wie wichtig es ist, keine Plastiktüten mehr zu verwenden.

Jüngster Gewinner
des Abu Dhabi Awards

2011 wurde er mit dem Abu Dhabi Award ausgezeichnet. Dieser wird an Menschen verliehen, die das Leben in und um Abu Dhabi verbessern oder verbessert haben. Abdul war der jüngste Gewinner, den es je gegeben hat. „Gerade nach dem Abu Dhabi Award fingen Leute an, mich auf der Straße anzusprechen. Sie wollten wissen, wie meine Kampagne und alles andere so läuft.“ Abdul lächelt.

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Es ist offiziell: Abdul ist der jüngste Preisträger des Abu Dhabi Awards!

150 Workshops für
umweltfreundliche Einkaufstüten

Mit dem Abu Dhabi Award nahm Abdul’s Kampagne gegen Plastik-Müll dann an Fahrt auf. Schulen und Universitäten riefen für Workshops an, von denen er bis heute über 150 veranstaltet hat. Er wurde von den Vereinten Nationen nach Indonesien eingeladen. Auf der Vorbereitung zur Klimakonferenz sprach Abdul vor wichtigen Persönlichkeiten.

Außerdem reiste er in die USA, wo er eine Versammlung von „Kids are Heroes“ besuchte. „Die anderen Kinder hatten wirklich tolle Ideen, sie kämpften gegen Mobbing oder sammelten Geld für den guten Zweck“, sagt er fasziniert. „Viele Schüler gaben mir neue Ideen. Ich möchte auch eine Initiative gegen Wasserverschwendung mit meinen Freunden beginnen.“

In Workshops kann jeder lernen, wie leicht sich Abduls Idee umsetzen lässt.

10.000 Studenten in indischer Stadt
basteln 500.000 Papiertüten

Im November 2014 verkündete die indische Stadt Varanasi, dass 10.000 Studenten dort 500.000 Papiertüten aus altem Zeitungspapier herstellen werden, nachdem Abdul sie besucht hatte. „Das hat sich wirklich besonders angefühlt. Mir wurde bewusst, dass viele Menschen nun über die Schäden von Plastiktüten Bescheid wussten und dass Plastiktüten eines Tages verboten werden könnten.“, sagt Abdul voller Freude.

Abdul bastelt nicht nur Tüten aus Zeitungspapier, sondern auch Briefumschläge, Geschenkpapier oder Einladungen. „Einmal kündigte unsere Schule ein Sportfest an. Ich bastelte eine Einladung für die Eltern aus recyceltem Papier.“ Er zeigt die farbenfrohe Karte „Meine Lehrerin fand sie so toll, dass unsere ganze Schule Einladungen bastelte und so kein Papier verschwendet werden musste.“

„Ich erfülle meine Pflicht
gegenüber Mutter Erde.“

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Junge Talente: Abdul Muqeet mit GreenStories-Gewinner Dorian Bauschke

Abdul ist ein „Nachzügler“ in seiner Familie. Er hat zwei ältere Geschwister, die allerdings nicht mehr bei den Eltern wohnen. Doch gerade von ihnen erhält er viel Zuspruch. Rückhalt hat Abdul immer. „Meine Freunde haben mir geholfen Papiertüten zu basteln und sie dann auch selbst benutzt. Sie trieben die Kampagne mit mir zusammen voran und verbreiteten mit der Idee ein besseres Umweltbewusstsein“, erzählt Abdul. „Sie kamen von sich aus zu mir und fragten mich, ob sie helfen können.“

„Ich bin wirklich glücklich, dass ich so besondere Freunde habe.“
Als belastend empfindet er seine Kampagne überhaupt nicht. „Ich bin eher glücklich, meine Pflicht zu erfüllen. Viele Firmen machen ihre Geschäfte mit Plastiktüten, aber ich erfülle meine Pflicht gegenüber Mutter Erde.“

Sein Ziel dabei ist riesig: „Ich will diese Kampagne weiter betreiben, bis Plastik von der Welt verbannt ist. Wenn wir weiter kleine Schritte nach vorne machen, wird das einen Unterschied bedeuten. Es liegt an uns, ob wir gute oder schlechte Zeiten haben werden“, prophezeit er.

Die Wohnung, in der Abdul mit seinen Eltern lebt, ist nicht sehr groß. Das Haus, in dem sich die Wohnung befindet, ist etwas heruntergekommen und die schönste Wohngegend ist es auch nicht. Doch die Wohnung seiner Eltern ist geschmackvoll eingerichtet und man fühlt sich sofort wohl. Seine Mutter bietet liebevoll Tee an und bittet darum, es sich im Wohnzimmer gemütlich zu machen.

Und wenn man diesem schmächtigen, zurückhaltenden Jungen mit dem Lächeln im Gesicht die Hand schüttelt, fühlt es sich gar nicht besonders an. Im Gespräch wirkt er nicht überheblich, ist immer höflich und zuvorkommend. Abdul ist gerade einmal 13 Jahre alt: ein Alter, in dem manche eher über die eigene Beliebtheit in der Schule, Klamotten oder Mädchen nachdenken. Abdul dagegen denkt mehr über Plastik-Müll nach.

Aus dem Klassenraum in die ganze Welt: Abduls Idee begeistert weltweit.

Aus dem Klassenraum in die ganze Welt: Abduls Idee begeistert weltweit.

„Menschen müssen nicht
nur zu Menschen freundlich sein.“

Aber was treibt ihn denn nun an? Seine Mutter erinnert an einen Moment aus der 2. Klasse: „Damals hat er mir zum Muttertag eine Karte geschenkt, auf die er ein Kästchen mit der Überschrift „Wasser sparen“ zum Ankreuzen zeichnete. Ich glaube es liegt ihm einfach in den Genen, diese Motivation, die Umwelt zu retten“, sagt sie.

Abdul selber behauptet: „Meine Inspiration ist Scheich Zayed: Er sagte einmal, Menschen müssten nicht nur zu Menschen freundlich sein, sondern auch zu Tieren und Pflanzen, denn Gott zeigt seine Güte denen, die anderen Güte zeigen.“

Von dem Gedanken, er sei doch nur ein kleiner Junge und könne sowieso nichts ändern, hält Abdul gar nichts. „Ich finde diesen Gedanken einfach falsch. Alle haben die Pflicht zu helfen und jeder kann auch etwas tun, egal wie winzig es erscheint. Ich denke oft an Scheich Khalifa: „Umweltschutz ist nicht nur eine Aufgabe der Regierung, es ist auch die Pflicht eines jeden Bürgers, seinen Teil beizutragen.“

„Das passiert alles wegen uns,
weil wir mit der Umwelt so
unbarmherzig umgehen.“

umweltverschmutzung

Die weltweite Umweltverschmutzung nimmt zu – Abdul kämpft dagegen.

Und was benötigt die Welt nun wirklich? „Aufmerksamkeit und Bewusstsein! Das ist der Schlüssel, die Leute müssen realisieren, wie schlimm der Zustand schon ist, aber auch, was nun zu tun ist. Wenn mehr Leute davon wissen, werden auch mehr Leute handeln. Eine ausgeglichene Umwelt ist wirklich unabdingbar. Die Verschmutzung nimmt zu, die Erde erwärmt sich und viele weitere schlimme Dinge geschehen. Das passiert alles wegen uns, weil wir mit der Umwelt so wertlos und unbarmherzig umgehen. Wir müssen darauf aufmerksam machen, ansonsten wird es schrecklich werden“, macht Abdul klar.

„Am liebsten würde ich
alle Firmen zwingen.“

Indien ist der erste Ort außerhalb Abu Dhabis, an dem Abduls Kampagne fortgeführt wird. Doch er hat ernstzunehmende Träume. In San Francisco sind Plastiktüten seit 2007 verboten, im März 2014 wurde ein Gesetz verabschiedet, dass bis 2020 alle Plastikflaschen mit einem Volumen von 0.6 l oder weniger abschaffen wird. Abdul ist ein Optimist und er glaubt daran, dass Plastiktüten eines Tages weltweit verboten werden. „Am liebsten würde ich alle Firmen zwingen, umweltfreundliche Taschen zu verwenden“, sagt er mit einem Grinsen.

„Zusammen können wir alle
einen Unterschied machen.“

"Seid die Veränderung, die  Ihr in der Welt sehen möchtet".

„Seid die Veränderung, die ihr in der Welt sehen möchtet“.

„Hätte ich die Idee mit den Papiertüten nie gehabt, würde ich noch immer versuchen, durch kleine Schritte etwas zu verändern“, beteuert Abdul. „Die Idee mit den Tüten war ja auch nicht riesig, aber sie hatte ziemlich großen Einfluss. Alleine oder in der Gruppe, macht einen Schritt nach vorne, egal wie unbedeutend es erscheint, jedes Handeln macht einen Unterschied.“

Seine Botschaft an alle ist: „Seid die Veränderung, die ihr in der Welt sehen möchtet. Bekennt Farbe. Denn zusammen können wir alle einen Unterschied machen. Pflanzt mehr Bäume, benutzt weniger Wasser, betreibt Recycling und vor allem, benutzt weniger Plastik.“

Dieser GreenStories-Beitrag wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Transparenz: Eine längere Version dieser News wurde auch von anderen Medien veröffentlicht.

 

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