Die Schmirchauer Höhe in Ronneburg - einer der bereits sanierten Bereiche in Thüringen
Wikipedia: André Karwath

Scheidung ist teuer – insbesondere von der Atomkraft:
7,1 Milliarden € Steuergelder für altes Uran-Bergwerk

21.10.2014
Quelle:
Wismut GmbH
Solarpark & Wanderrouten statt Uran-Abbau – ein ehemaliges Uran-
Bergwerk wird rekultiviert. Es ist das größte Projekt Europas.
Die Vorher-Nachher-Bilder zeigen Dir, wie sich die Natur erholt hat.


Das größte RekultivierungsprojektEine Rekultivierung ist die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere auf devastierten Flächen: Ehemalige Mülldeponien oder Tagebauten werden für die Natur wieder nutzbar gemacht. Die Flächen, die rekultiviert werden, sind häufig mit Schwermetallen oder Öl belastet – es dauert oft Jahrzehnte, bis dieser Prozess abgeschlossen ist. Eine Rekultivierung ist zu unterscheiden von einer Renaturierung: Bei einer Renaturierung werden Böden oder Flüsse wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht um ehemals dort siedelnde Tier- und Pflanzenarten wieder anzulocken oder Gefahren, z.B. durch Hochwasser, vorzubeugen. Europas ist ein altes Uran-Bergwerk in der sogenannten Wismut-Region in Sachsen und Thüringen mit einer Größe von 2.900 Hektar (ha). Die ehemalige Bergbau-Region wird wieder in eine strahlungsfreie Gegend umgebaut, die gefahrlos genutzt werden kann – 80 % Angabe der Wismut GmbH sind bereits abgeschlossen.

Die Wismut-Region:
Abbau von 300 Millionen Tonnen radioaktivem Gestein

Die Überreste des Uran-Abbaus in der Wismut-Region werden seit über 20 Jahren entsorgt – geplant ist, dass die Arbeiten bis 2020 abgeschlossen sind. Bis mindestens 2040 wird die Gegend noch auf Strahlung überwacht.

Da der Uran-Gehalt der Wismut-Region von Natur aus nur 0,1 % betrug, wurde das Uran z.B. mit Schwefelsäure aus dem Gestein herausgelöst. Dabei sind 160 Millionen m3 radioaktive Schlämme angefallen, in denen u.a. giftige und ätzende Stoffe enthalten waren.

Bis zum Mauerfall wurden in der Wismut-Region rund 300 Millionen Tonnen (t) TV-Video über das Projekt (20 min) radioaktives Gestein abgebaut – daraus wurden 231.000 (t) Uran gewonnen. Dafür wurden 1.400 km unterirdische Stollen in den Boden gegraben und 311 Millionen m3 HaldenmaterialDas sind die Boden- und Gesteinsreste, die während des Bergbaus anfallen: Sie enthalten nicht genug Uran – die Verarbeitung lohnt sich nicht. Dieses sogenannte „taube Gestein“ wurde auf künstliche Hügel aufgeschüttet. Dabei können u.a. giftige Schwermetalle und schwach strahlende Gesteinsreste anfallen. aufgeworfen. Angabe des Betreibers zu den Schäden

Vom weltweit viertgrößten Uran-Abbaugebiet
zum Solarpark & Wanderweg

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten sollen die ehemaligen Abbaugebiete gefahrlos, Vortrag zum 20-jährigen Jubiläum an der TU Chemnitz z.B. als Wandergegend, Solarpark oder Autobahnzubringer,Das ist eine Straße, die fast ausschließlich als Verbindung zwischen einer Autobahn und anderen Straßen, z.B. Bundes- oder Hauptstraßen, genutzt wird. genutzt werden: Bei 80 % ist das schon heute möglich.

So wurde z.B. aus einer alten Halde in Ronneburg (Thüringen) eine große Grünfläche. In Crossen bei Zwickau befindet sich auf der Fläche eines alten Aufbereitungsbetriebs jetzt eine Grünflache, die Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere bietet.

Eine alte Halde in Ronneburg wurde zur Grünfläche.

Ein Bergbau-Aufbereitungsbetrieb bei Zwickau wurde zur Grasfläche.

Vorher-Nachher-Vergleich einer Bergbauhalde in Schlema.

Löcher aus dem Untertageabbau wurden wieder aufgefüllt.

Die Kosten: 7,1 Milliarden €
Das Ziel: Gefahrlose Nutzung ermöglichen

Geplante Kosten der Rekultiveriung insgesamt: Ca. 7,1 Milliarden €
Bisherige Kosten: Ca. 6 Milliarden €

Die Ziele: Aussage der Wismut GmbH

  • Stilllegung der Bergwerke:
    Einstellung des unterirdischen Uran-Abbaus.
  • Flutung der Gruben:
    Ehemalige Bergbau-Gruben werden unter Wasser gesetzt. Das Flutungswasser wird später abgepumpt und aufbereitet – d.h. von Strahlung und Schadstoffen befreit.
  • Wasserreinigung:
    Befreiung des Wassers von der radioaktiven Strahlung und von Schwermetallen, die in einigen Bergbau-Anlagen angefallen sind.
  • Demontage und Abbruch kontaminierter Anlagen und Gebäude
    Ehemals genutzte Gebäude und Anlagen werden abgerissen und entsorgt.
  • Sanierung von Halden und Schlammteichen
    Fachgerechte Entsorgung, falls erforderlich auch Lagerung, von radioaktiven Schlämmen und zu Bergbauzeiten aufgeworfenen Hügeln mit unbrauchbarem Material.
  • Umweltüberwachung
    Messung der radioaktiven Strahlung und der Menge an Schwermetallen in Wasser, Boden und Luft.

43 Jahre lang Uran-Abbau
für das sowjetische Atomprogramm

Von 1947 bis 1990 wurde das Uran in der Wismut-Region abgebaut und für das sowjetische Atomprogramm genutzt. Seit der Wiedervereinigung wird daran gearbeitet, die Folgen des Abbaus zu beseitigen, um den Boden wieder nutzbar zu machen.

Die Rekultivierung ist u.a. deshalb so langwierig, weil nicht nur 1 große Fläche wiederhergestellt wird, sondern an vielen kleinen Baustellen gearbeitet wird.

Uran-Bergbau:
Folgen sind noch in 4,5 Milliarden Jahren messbar

Das Flutungs- und Grubenwasser, das während des Bergbaus und im Laufe der Sanierung angefallen ist, strahlt noch stark. Aufgrund der langen Kennzahlen Uran: Interaktives Periodensystem Halbwertszeit Radioaktive Stoffe spalten sich und zerfallen dadurch in andere Stoffe. Die Halbwertszeit gibt an, wie lange es dauert bis ein radioaktiver Stoff auf die Hälfte geschrumpft ist. z.B. 1 kg Uran zu 500 g Uran zerfallen ist. Bei Uran kann das bis zu 4,5 Milliarden Jahre dauern. von Uran muss es vermutlich noch mehrere Milliarden Jahre lang dekontaminiert – d.h. von der Uran-Strahlung befreit – werden.Es gibt verschiedene Uransorten – nur eine davon hat eine so lange Halbwertszeit. Es ist auch möglich, einen Teil des Urans im Wasser manuell durch die sogenannte Umkehr-Osmose zu entfernen: Ein Verfahren, das Wasser unter Druck durch eine halbdurchlässige Trennschicht pumpt. Dabei wird das Wasser z.B. von Verschmutzungen getrennt. Die Kosten für diesen Prozess sind noch nicht absehbar – vorerst wird das verstrahlte Wasser speziell gelagert, damit es nicht ins Grundwasser sickert.

Uran: Krebserregend und giftig – auch für ungeborene Kinder

Uran ist ein radioaktives Schwermetall. Das bedeutet, dass der Kern eines Uranatoms spontan in der Lage ist, sich in einen anderen Atomkern umzuwandeln. Dabei entsteht die sogenannte ionisierende Strahlung. Die Strahlung gibt eine starke Energie frei: Sie kann Elektronen, d.h. die negativ geladenen Bestandteile eines AtomsEin Atom ist der kleinste Bestandteil eines Stoffes, der chemisch gesehen nicht weiter verkleinert werden kann. Ein Atom besteht u.a. aus positiv geladenen Protonen und negativ geladenen Elektronen. Die Protonen sind in dem Atomkern in der Mitte gebunden, die negativ geladenen Elektronen kreisen um die positiv geladenen Protonen herum. Bei radioaktiven Stoffen können die Elektronen spontan austreten. aus dem ursprünglichen Atom entfernen.

Diese ionisierende Strahlung ist für die meisten negativen Auswirkungen von Uran verantwortlich:

  • Körperzellen können sich so verändern, dass sie unkontrolliert weiterwachsen – es entsteht Krebs (kanzerogene Wirkung).
  • Es können Veränderungen im Körper entstehen, die an den Nachwuchs weitergegeben werden (mutagene Wirkung).
  • Embryonen können, wenn sie im Mutterleib dieser Strahlung ausgesetzt sind, Fehlbildungen entwickeln (teratogene Wirkung).

Zudem ist Uran giftig und schädigt die Nieren – unabhängig davon, ob es über den Mund (oral), die Haut (dermal) oder beim Einatmen (inhalativ) aufgenommen wird.

Heute sind 10.000 ehemalige Bergarbeiter Broschüre der Aktion ausgestrahlt aus der Region strahlenbedingt an Lungenkrebs erkrankt.

Uran-Produktion weltweit im Überblick:
Kasachstan aktueller Spitzenreiter

In Kasachstan wird heute die weltweit größte Menge Uran abgebaut – 2012 waren es 21.317 Tonnen (t). Zu den 10 führenden Ländern, die Uran abbauen, gehören außerdem:

  • Kanada (8.999 t),
  • Australien (6.991 t),
  • Namibia (4.495 t),
  • Russland (2.872 t),
  • USA (1.569 t).

Auch in der Ukraine (960 t) und in Frankreich (3 t) wird es in kleineren Mengen abgebaut.

Das Grafik von wallstreet:online radioaktive Metall ist begehrt: Sein Preis ist von 2000 bis 2011 um knapp 700 % gestiegen. Nach dem Reaktor-Unglück in Fukushima (11.3.2011) sank der Uran-Preis ab – seit 2013/2014 steigt er wieder. Solange Atomenergie international in großen Mengen genutzt wird, ist eine Änderung dieser Artikel in wallstreet:online Entwicklungen unwahrscheinlich.

Wie die Länder mit leeren Uran-Bergwerken umgehen, bleibt abzuwarten. Eine Möglichkeit besteht darin, die Abbaugebiete im weiten Umkreis abzusperren. Andernfalls müssten das verstrahlte Wasser und die radioaktiven Schlämme, die bei der Uran-Förderung angefallen sind, entsorgt werden. Die Frage nach einem Endlager, um die radioaktiven Reste langfristig unterzubringen, stellt sich für alle Länder.

Im April 2014 Artikel in der Süddeutschen wurde ein Schritt in diese Richtung gemacht: Der US-amerikanische Energiekonzern Anadarko Petroleum einigte sich mit dem US-Justizministerium darauf, 5,15 Milliarden $ (ca. 3,75 Milliarden €) bereitzustellen, um einige seiner ehemaligen Uran-Abbaugebiete zu dekontaminieren.

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