Mikroplastik: Mit dem Fisch auf unseren Tisch
ISTOCK

Wie Duschgel im Fisch auf meinem Teller landet:
Der lange Weg des Mikroplastiks ...

08.11.2014
Quelle:
Fraunhofer Institut
Mikroplastik aus Pflegeprodukten landet im Meer und wird von Fischen gefressen. Wissenschaftler empfehlen z.B. Bienenwachs als Alternative – es wirkt genauso gut und ist biologisch abbaubar.

Mikroplastik sind Plastikteilchen, die kleiner als 5 mmEs wird zwischen Makro-, Mikro- und Nanopartikeln unterschieden: Makropartikel sind größer als 5 mm und können häufig noch von den Kläranlagen zurückgehalten werden. Mikropartikel sind zwischen
0,05 mm und 5 mm groß, Nanopartikel kleiner als 0,05 mm.

Neben primärem Mikroplastik, das Körperpflege-Produkten bewusst zugesetzt wird, gibt es sekundäres Mikroplastik: Es entsteht wenn größere Plastikteile, z.B. Plastikflaschen, in immer kleinere Partikel zerfallen.

Dieser Prozess geschieht nicht nur im Meer, sondern auch an Land – überall dort, wo das Mikroplastik der Natur ausgesetzt ist: Salz, Steine, Sonne, Wasser und Wind tragen zur Zersetzung bei.
 sind. Es wird u.a. in Shampoo, Duschpeelings und Wimperntusche verwendet.

Es ist biologisch nicht abbaubar und sammelt sich daher in der Nahrungskette an. Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik schlagen eine Alternative vor: Wachse.

Wozu Mikroplastik
& wo kommt es her?

In Duschgels und Peelings wirken die kleinen Plastikteilchen als Schrubb-Körper und verbessern dadurch die Reinigung – in Wimperntusche sorgen sie dafür, dass die Wimpern voller wirken.

Ein häufig dafür genutztes Material ist Polyethylen – ein Kunststoff, der auch zur Produktion von Mülltüten genutzt wird.

Im Haushalt gibt es viele Mikroplastik-Quellen: Angaben der Stadt Nürnberg

1.) Textilien

Beim Waschen von Kleidung aus Kunststoff (z.B. Fleece-Jacken) lösen sich kleine Plastikteilchen aus den Kleidungsstücken. Sie gelangen über die Waschmaschine ins Abwasser.

2.) Waschmittel

Perlen in Putzmitteln, z.B. Scheuermilch, können neben Duschgel und anderen Körperpflege-Produkten eine Mikroplastik-Quelle sein. Beim Putzen gelangen die Plastikteile ebenfalls ins Abwasser – und von dort ungehindert in Flüsse und Seen.

3.) Kosmetik

Duschpeelings enthalten häufig Mikroplastik für eine bessere Reinigungswirkung. Auch Puder, Cremes und andere Körperpflege-Produkte können Mikroplastik aufweisen.

4.) Verwitterte Plastikteile

Größere Plastikteile, z.B. Tüten und Flaschen, zerfallen im Laufe der Jahre zu Mikroplastik – und können so im Abwasser ankommen.

5.) Sonstige

Weitere Mikroplastik-Quellen, die nicht genauer beschrieben werden.

Der Weg des Mikroplastiks:
Vom Abwasser über Kläranlagen auf unsere Teller

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Der Mikroplastik-Kreislauf: Vom Shampoo in den Fisch auf den Teller

Beim Duschen oder Abschminken mit Wasser werden das Shampoo und andere Pflegeprodukte samt der darin enthaltenen Plastikteilchen ins Abwasser gespült – und von dortAuch in der Luft gibt es Mikroplastik – mit dem nächsten Regenschauer landet es dann in Gewässern. weiter verbreitet.

Weil das Mikroplastik so klein ist, wird es durch Kläranlagen nicht gefiltert: Über Flüsse und andere Gewässer gelangt es ins Meer.

Die Mikroplastikteilchen sind nicht biologisch abbaubar: Sie treiben jahrhundertelang im Meer, ohne dass ihre Struktur sich ändert.

Kleinstlebewesen verwechseln die Plastikteilchen mit Plankton und nehmen sie auf. Auch Muscheln und Fische kommen dadurch mit dem Mikroplastik in Kontakt.

Die Tiere und Pflanzen können es nicht verwerten: Es sammelt sich in ihrem Fleisch an.Dieser Prozess wird als Bioakkumulation bezeichnet. Größere Tiere fressen kleinere und nehmen so das Mikroplastik ebenfalls auf. Es sammelt sich in der Nahrungskette an – und landet schließlich auf unseren Tellern.

Mikroplastik:
Ein Magnet für Schadstoffe

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Mikroplastik zieht Schadstoffe an

Die Mikroplastik-Problematik hat einen weiteren Nachteil: Aufgrund ihrer chemischen Struktur sammeln sich Schadstoffe an den Plastikteilchen.

Das können sowohl organische Schadstoffe wie PCB,Das ist die Abkürzung für Polychlorierte Biphenyle, eine Gruppe chronisch giftiger, chlorhaltiger Schadstoffe. Werden langfristig kleine Mengen aufgenommen kann es zu Leberschäden, Schädigungen des Immunsystems, fehlgebildeten Embryonen, sowie einer verzögerten, geistigen und körperlichen Entwicklung kommen. Außerdem stehen PCB in Verdacht krebserregend zu sein und unfruchtbar zu machen.

Seit Mai 2001 sind PCB weltweit verboten, bis in die 1980er Jahre wurden sie z.B. in Kunststoffen und Lacken verwendet.

Trotzdem finden sie sich heute weltweit in Böden, Wasser und Luft, da sie biologisch sehr schwer abbaubar sind. Nach Aussagen des Bayerischen Landesamts für Umwelt lassen sich PCB in fast allen menschlichen Geweben nachweisen.
 Dioxine und Insektizide als auch Schwermetalle (z.B. Arsen und Blei) sein. Viele dieser Stoffe sind nur schwer bis gar nicht biologisch abbaubar und haben sich daher seit Jahrzehnten in Gewässern angesammelt.

Wenn Tiere das Plastik direkt oder indirekt fressen, reichern sich die giftigen und krebserregenden Schadstoffe in ihrem Gewebe an. Dort werden sie nicht abgebaut: Wer also in der Nahrungskette am weitesten oben steht, ist am stärksten belastet. Am Ende landen die Schadstoffe – genau wie das Mikroplastik – auch bei uns auf dem Teller.

Alternative Schrubb-Körper:
Wachs ist besser als Sand

Mehrere Kosmetikkonzerne arbeiten daran, alternative Schrubb-Körper zu entwickeln.

Im Prinzip können alle festen Stoffe als alternative Schrubb-Körper eingesetzt werden. Nussschalen und Sand sind 2 mögliche Kandidaten. Jedoch sind diese für die industrielle Produktion von Kosmetika problematisch: Die Abnutzung der Maschinen wäre zu hoch.

Das Fraunhofer Institut hat jetzt gezeigt, dass Mikroplastik durch WachspulverDazu zählen kaltgemahlenes Biowachspulver und Wachspulver, das unter Hochdruck mit dem PGSS-Verfahren hergestellt werden kann.

Dabei kommt CO2 zum Einsatz. Das Fraunhofer Institut verwendet CO2, das als Abgas bei der Düngemittelherstellung entsteht.
 ersetzt werden kann – auch damit könnte die Reinigungskraft, z.B. von Duschpeelings, verbessert werden.Weitere Positive News zum Thema:
• Plastikflaschen aus Meermüll
Über 1 Million Freiwillige reinigen Strände

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Bienenwachs könnte zukünftig Mikroplastik ersetzen

Mögliche Wachse sind Bienenwachs, CarnaubawachsDieses Wachs wird aus Blättern der brasilianischen Carnaubapalme hergestellt. und Candelillawachs.Hergestellt aus einem Busch, dessen Einfuhr in die EU durch das Washingtoner Artenschutzabkommen reguliert wird.

2 positive Eigenschaften haben alle gemeinsam: Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und sind als Lebensmittel-Zusatz zugelassen. Mögliche Umweltgefahren sind gering.

Aber: Auch an Wachsen können sich Schadstoffe ansammeln.Das liegt an der chemischen Struktur der Wachse und der Schadstoffe. DDT ist ein Insektizid. Es ist genau wie PCB und viele andere organische Schadstoffe, fettlöslich: aufgrund ihrer chemischen Struktur lagern sie sich gerne an Teilchen an, die Fetten ähneln.

Bei Plastik ist das der Fall. Darum ist Mikroplastik im Meer in der Regel mit diesen Schadstoffen belastet.

Auch Wachse haben eine chemische Struktur, die Fetten ähnelt – und sind daher potenzielle Anlagerungsorte für fettlösliche Schadstoffe.
 Doch da diese – im Gegensatz zu Plastik – biologisch abbaubar sind, ist die Gefahr der Verbreitung geringer.

Aktuell testen die Wissenschaftler weitere Wachse: Beerenwachs, Reiswachs und Sonnenblumenwachs sollen die Palette an nutzbaren Stoffen erweitern.

Ob Dove, Balea oder The Body Shop:
Schwarze Liste mit 400 Mikroplastik-Produkten

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) erstellt gemeinsam mit interessierten Verbrauchern eine Liste Liste des BUNDmit Körperpflege-Produkten, die Mikroplastik enthalten.

Dazu gehören z.B. Duschgels von Balea und Handcreme von The Body Shop – auch Produkte von Neutrogena, Olaz und Dove sind enthalten.

Besonders viel Plastik befindet sich in dekorativer Kosmetik: Lippenstift, Puder und Wimperntusche. Darin befindet sich kein festes, sondern gelöstes Plastik. Da es keineArtikel vom IKW festen Teile enthält, belastet es das Meer weniger – zumindest laut Industrieverband für Körperpflege- und Waschmittel (IKW).

Nach Aussage des BUND will der IKW seinen Mitgliedern trotzdem empfehlen, zukünftig auf Mikroplastik zu verzichten.

Schwarze Liste zeigt Wirkung:
Zahncremes jetzt ohne Mikroplastik

Das zeigt Wirkung:Erfolgsmeldung vom BUND Noch im Juni 2014 waren viele Zahncremes mit Mikroplastik versetzt – 4 Monate später ist Zahnpasta in Deutschland frei von Mikroplastik. So konnte der BUND eine ganze Kategorie von der Schwarzen Liste löschen.

Außerdem haben einige Unternehmen zugesagt, bereits oder in Zukunft auf Mikroplastik zu verzichten, z.B. Beiersdorf, The Body Shop und dm. Der BUND wird prüfen, ob dies tatsächlich der Fall ist.

Ob Dein Lieblingspeeling oder Shampoo Plastik enthält, siehst Du anhand der Inhaltsstoffe. Der am häufigsten enthaltene Kunststoff ist Polyethylen, in der Zutatenliste als Polyethylene aufgeführt.

Eine Liste weiterer Kunststoffe:

  • Polypropylen
  • Polyethylenterephthalat
  • Polyester (Polyester-1; Polyester-11)
  • Polyamid (Nylon-12; Nylon-6; Nylon-66)
  • Polyurethan (Polyurethan-2; Polyurethan-14; Polyurethan-35)
  • Ethylen-Vinylacetat-Copolymere
  • Polyimid (Polyimid-1)
  • Copolymere von Acrylnitril mit Ethylacrylat/Copolymere

Generell gilt als Faustregel: Wenn in der Zutatenliste ein Stoff mit der Silbe „poly“ steht, enthält das Produkt wahrscheinlich Mikroplastik.

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